Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Gespräche und Ereignisse zwischen den Kapiteln
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Prometheus
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Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

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Zeit: zwischen Kapitel 5 und 6
Ort: an den Ufern des Weißwassers
Uhrzeit: abends, kurz vor Sonnenuntergang
Wetter: wolkenbehangen, ein leichtes Gewitter kommt auf

Die Luft wurde kühler, die Wolken wurden dunkler und eine innere Unruhe erfüllte den Körper des großen Adlers. Nicht, dass Prometheus Angst vor einem Wetterumschwung hatte, aber die Ungewissheit wie stark dieser sein könnte, ließ ihn nicht mehr ganz so selbstsicher sein. In den Bergen, dort wo er aufgewachsen war, hatte es öfter Wetterumbrüche gegeben. Tage voller Regen, Tage an denen es nur gewitterte, mal ganz abgesehen von den Stürmen und starken Windböen, den man dort regelmäßig ausgesetzt gewesen war.
Aber es war nicht das Wetter, dass Prometheus dazu gebracht hatte, seiner alten Heimat den Rücken zu kehren, nein, es war der Anschluss oder besser gesagt der nicht vorhandene Anschluss an die anderen Adler gewesen. Und vielleicht auch die leise Stimme in ihm, die ihm sagte, dass Abenteuer auf ihn warteten.

Bisher hatte der Adler noch keine Abenteuer erleben. Jedenfalls keine nennenswerten. Die Beute war hier im Tal oder besser gesagt auf dieser Ebene besser zu jagen. Man sollte meinen, dass es hier mehr Verstecke gab, ja, das stimmt, aber hier gab es auch deutlich mehr Beute. Mäuse, Hasen und andere Kleintiere gab es hier in Hülle und Fülle. Der Adler verbrachte nicht mehr Stunden damit, seinen Magen zu füllen, sondern konnte meist nach kurzer Zeit gesättigt werden. Es war so viel einfacher hier, aber auch etwas gefährlicher. Denn hier gab es kein sicheres Zuhause. Hier lebte er von Tag zu Tag in Baumkronen, von denen er nicht wusste, welche Risiken sie bargen.
Man könnte sich fragen, wer auf die Idee kommen sollte, sich Ärger mit einem Adler einzuhandeln, aber lieber war Prometheus vorsichtig, als kühn. Es gab viele kühne Adler, aber nur vorsichtige Adler wurden alt. Jedenfalls sah er das so.

Den ganzen Tag war er nun schon unterwegs, hatte viele Kilometer Land überflogen und sich wenig Pausen gegönnt. An einigen Tagen war er einfach mehr unterwegs als an anderen. Manchmal, wenn er das Gefühl hatte, die Gegend würde sich für ein neues Zuhause eignen, verweilte er für eine gewisse Zeit. Dann erforschte er sein neues vielleicht-Revier und bis jetzt hatte es ihn immer irgendwie weitergetrieben. Irgendwas gefiel ihm nicht und er konnte dann nicht mal sagen, was genau es war. Diese Stimme in ihm wurde dann lauter und wurde erst stiller, wenn er die Gegend, die er erkunden wollte, wieder verlassen hatte.
Abendteuer. Er wollte Abenteuer erleben und nicht sesshaft werden. Es gab so viel zu sehen, so viel zu erkunden. Außerdem war er noch gar nicht so lange von Zuhause weg und konnte sich ruhig noch weiter von dort entfernen, um sein Glück dort zu machen, wo es noch keinen Adler vor ihm hin verschlagen hatte. Das war der Plan, Prometheus würde versuchen sich daran zu halten.
Also war er heute Morgen aufgebrochen, hatte die Schwingen ausgebreitet und weitere Kilometer zwischen sich und seine ehemalige Heimat gebracht. Einmal hatte er länger gerastet, sich Futter gejagt, um neue Energie zu tanken. Kurz darauf war er wieder in den Himmel aufgebrochen, um weiter zu ziehen.
Von oben sah die Welt so viel kleiner aus und je höher er flog, desto ruhiger wurde es. Da waren nur er, die Luft und seine Gedanken.

Als Prometheus feststellte, wie sich das Wetter zusehens veränderte, wollte er erst noch eine Weile weiter fliegen, sah aber, dass sich vor ihm eine riesige Wasserlache ausgebreitet hatte, die sich bis zum Horizont erstreckte. Leider konnte er das Ende dieses Sees nicht sehen und der Gedanke über dem See in ein Unwetter zu geraten, missfiel ihm. Zudem wurde es bald Nacht und er müsste sich noch einen Platz zum schlafen suchen.
Für einen kurzen Moment war er doch gewillt, es zu riskieren, ein Abenteuer zu erleben, aber die Stimme in seinem Kopf war lauter. Prometheus war nicht kühn, er war vorsichtig. Es gab noch genug Abenteuer, einen See im Unwetter zu überqueren war keines davon - jedenfalls nicht heute.

Prometheus setzte zur Landung an. In der Nähe des Ufers gab es einen Stein, der aus dem Wasser ragte. Nicht groß, aber groß genug um darauf landen zu können. So würde er nicht die Gefahr eingehen, beim Trinken von hinten überrascht zu werden.
Als er den kühlen Stein unter seinen Krallen spürte, blickte der Adler über das vor ihm liegende Ufer, lauschte. Einzelne Vögel waren in der Ferne zu hören und der auffischende Wind zerrte an den Blättern der Bäume. Es war ein ruhiges Rascheln, der Wind war aber auch nicht stark, mehr eine Briese.
Die dunklen Wolken verhingen den Himmel und spiegelten sich in der Oberfläche des Sees wieder. Zwischenzeitlich wurde die Spiegelung verzerrt, wenn eine Briese über den See fegte.
Prometheus wagte einen letzten Blick an das Ufer und beugte sich schließlich hinunter, um das kühle Nass in sich aufzusaugen. Er hatte Durst und war froh, diesen endlich stillen zu können.
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Kalea
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Kalea »

Die leichten Wolken am Horizont verdichteten sich zunehmend, bauten sich in der Ferne auf, rot schimmernd in der dunkler werdenden Abendsonne. Bald würden sie sie ganz verschluckt haben und das letzte Licht des Tages würde sein Ende in einem beeindruckenden Sturm finden. Es war ein gespenstisch schöner Anblick, doch Kalea konnte ihn nur kurz genießen, bevor sie erneut die Augen zusammenkniff und einen weiteren, angestrengten Flügelschlag tat. Ein leises Keuchen entwich ihrem leicht geöffneten Schnabel, halb aus Schmerz, halb aus Zorn. Das leichte Pochen in ihren Flügeln hatte sich mittlerweile zu einem ausgewachsenen Brennen gemausert und noch war kein Ende in Sicht. Sie hatte sich erneut grenzenlos selbst überschätzt, sämtliche Muskeln in ihrem Körper protestierten heftig gegen die ungewohnte Belastung – und unter ihr nichts als Wasser, welches mittlerweile so beachtliche Wellen produzierte, dass es ihr ein Landen unmöglich machte.

Sie konnte das Ufer in der Dämmerung erkennen und heftete ihren Blick daran fest, beschloss sich nur noch auf ihr Ziel zu konzentrieren. Ein leichter Wind fuhr ihr durchs Gefieder, doch selbst der schwache Auftrieb konnte nicht verhindern, dass sich der Horizont immer weiter ihrer Augenhöhe annäherte.

Verdammter Mist, Kalea! Streng dich an! , spornt sie sich an und zwang ihre Muskeln zu einem weiteren, kräftigen Flügelschlag, der sie hoffentlich hoch genug gebracht hatte, um den Rest der Strecke im Gleitflug zurückzulegen. In Ufernähe erblickte sie einen Felsen, der oben recht Spitz zulief, doch sie hatte schon auf kleineren Zielen landen müssen und jeder Muskel ihres Körpers schrie ihr zu, dass es keine Alternative geben würde. Sie fixierte den Felsen, flog mittlerweile so tief, dass sie nur die Beine hätte ausstrecken müssen, um mit den Krallen ins Wasser zu tauchen – und stieß einen erschrocken Schrei aus.

Die Felsspitze senkte sich Richtung Wasser, veränderte die Form und brachte sie vollends aus der Fassung. Mit letzter Kraft warf sie ihren gesamten Körper im Flug nach links, zwang ihn so gewaltsam zur Wendung, wodurch ihre linken Flugfedern gefährlich nahe ans Wasser kamen, sie aber in letzter Sekunde die Richtung korrigieren und dem abstürzenden Felsen entgehen konnte. In der Wendung blickte sie für einen Herzschlag lang in zwei leuchtende Augen, die sie direkt aus dem Felsen heraus anzustarren schienen, bevor sie holpernd und mit den völlig erschöpften Flügeln verzweifelt rudernd im Wasser landete. Keuchend suchte sie nach Halt und grub die Krallen in den Kiesboden, den sie zum Glück bereits ertasten konnte. Dennoch kippte sie nach vorne, tauchte mit der Brust voran bis zum Hals in das kalte Wasser ein, bevor der plötzliche Widerstand sie endlich bremsen konnte.

Mit einem kräftigen Ruck aus den Beinen stemmte sie sich hoch um das nasse Gefieder aus dem Wasser zu heben, ließ die schmerzenden Flügel aber mit einem Seufzer wieder auf die Oberfläche klatschen. In dieser Haltung, die nassen Flügel auf dem Wasser aufliegend, das Gefieder an den Brust dunkel verfärbt von der Kollision mit dem kühlen Nass drehte sie sich hüpfend im Halbkreis und fixierte den Felsen, der ihre Bruchlandung verursacht hatte.

“Oh hoppla!“, stieß sie etwas atemlos hervor und musterte verdutzt den Artgenossen, dessen Kopf sie eben beinahe für eine unsaubere Landung auserkoren hatte.

“Tut mir wirklich leid, ich wollte dich nicht so erschrecken. Ich kann sonst besser fliegen… und besser landen... und eigentlich auch besser sehen. Versprochen!“, schwor sie und lachte leise, angesichts des erbärmlichen Bildes, welches sie gerade abgeben musste. Bei näherem Betrachten verstand sie absolut nicht, wie sie den großen Adler hatte übersehen können. Doch die Schmerzen in ihren Flügeln hatten vermutlich ihr Übriges getan. Da hatte sie den ersten Landeplatz anvisiert, der es in ihr Blickfeld geschafft hatte.

“Ich hoffe es stört dich nicht, wenn ich hier eine Weile raste? Falls ich unerlaubt in dein Jagdrevier eingedrungen bin, entschuldige ich mich vielmals. Ich verspreche dir, hier keine Beute zu machen und gleich morgen früh meine Reise fortzusetzen.“

Sie musterte den Adler mit wachem Blick und versuchte seine Reaktion einzuschätzen. Schließlich war sie nicht gerade sehr feinfühlig in sein Gebiet eingedrungen. Was sie allerdings tun sollte, wenn er sie verjagen wollte, war ihr ehrlich gesagt schleierhaft. Sie schaffte es ja kaum, die Flügel von der Wasseroberfläche zu lösen. Aber gut, erst einmal das Beste hoffen.
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Prometheus
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Prometheus »

Gerade hatte Prometheus sich erneut zu dem kühlen Nass hinuntergebeugt, um einen weiteren Schluck zu trinken, als er etwas hörte. Erst meinte er, sich geirrt zu haben, aber da war etwas hinter ihm und es kam schnell näher. Eigentlich konnte niemand, der einigermaßen schlau war, ihn angreifen. Ihn - einen ausgewachsenen Adler. Außer.. ja außer ein andere Adler. Und da hörte Prometheus es. In Bruchteilen einer Sekunde erkannte er das Geräusch. Das Geräusch -kaum hörbar-, dass Adlerflügel machen, wenn sie durch die Luft gleiten oder besser sagt sich dagegen stellen, um zu landen. Doch als er das Geräusch endlich klar zuordnen konnte, spürte er den anderen Adler schon fast hinter sich. Prometheus duckte sich und spüre einen Luftzug kurz oberhalb seines Kopfes und sah Millisekunden später einen großen Adler vor seinem Stein in den See klatschen.

Vor Schreck und vermutlich auch als Abwehrhaltung spreizte er seine Flügel leicht vom Körper ab, damit er bedrohlicher und auch etwas größer aussah.
Mit Argwohn beobachtete er die Adlerdame, die nach ihrer Bruchlandung mit hängenden, nassen Flügeln vor ihm stand. Die Fremde Adlerdame war pitschnass, das Wasse tropfte von ihrem Körper zurück in den See. Der See, der eben noch klar war und an dessen Oberfläche sich das Ufer spiegelte, war aufgewühlt und von kleinen wilden Welllen durchzogen.
Prometheus verharrte immer noch in seiner Position. Die Flügel leicht vom Körper abgespreizt, den Kopf selbstbewusst und fordernd nach vorne gerichtet. Seine gelben Augen waren wachsam und sein Schnabel zum Angriffsschrei bereit.

Prometheus fuhr langsam die Flügel wieder ein, als die Adlerdame vor ihm stand und mit immer noch hängenden Flügeln anfing eine Entschuldigung zu stammeln. Der Adlerherr legte seinen Kopf leicht schief und starrte sie an, als sie mit einem neuen Redeschwall begann und jetzt etwas von Revieren redete.

Der junge Adlerherr war nie besonders gut darin, mit Artgenossen zu kommunizieren und irgendwie war er auch froh gewesen, in letzter Zeit mit keinem Artgenossen zu tun zu haben. Das Gefühl, das ihn getrieben hatte sein eigentliches Zuhause zu verlassen war mit einem Mal wieder da. Er hatte Angst etwas falsch zu machen und von der fremden Adlerdame verspottet zu werden.
Er hob seine Schultern, richtete seine Flügel und merkte, dass die Gesprächspause zwischen ihnen länger und länger und damit immer unangenehmer wurde. Prometheus überlegte fieberhaft. Er musste etwas sagen, etwas gutes, etwas sinnvolles, am besten etwas humorvolles oder intelligentes.
Sein Blick wurde etwas weicher und ohne -verdammt!- wirklich nachzudenken sagte er: "Es tut mir leid, dass ich wie ein Stein aussehe."

Okay. Das war nicht so besonders schlau. Am liebsten hätte er jetzt die Schwingen ausgebreitet und wäre davon geflogen. Er blickte zu der durchnässten Adlerdame und fügte dann kurz hinzu: "Jag' ruhig, das ist nicht mein Revier."
Innerlich wollte er fort fliegen und merkte dabei gar nicht wirklich, wie er seine Flügel langsam in Abflugposition brachte. Es wirkte, als würde er wirklich gleich abheben wollen.
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Kalea
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Kalea »

Natürlich hatte sie den fremden Artgenossen erschreckt, er schrie es ihr mit jeder Faser seines Körpers zu. Der vorgereckte Kopf und die leicht abgespreizten Flügel – für den Bruchteil einer Sekunde spannte Kalea sich an, nahm so gut es ging eine Verteidigungshaltung an, indem sie die tropfenden Flügel vom Wasser anhob und etwas näher an ihren Körper heran schob, den Blick alarmiert auf dem Fremden ruhend.
Doch der andere verharrte in seiner Position, machte keine Anstalten, sich von seinem Felsen abzudrücken. Im Gegenteil, er wirkte wie versteinert. Und ganz allmählich löste die Adlerin wieder die Spannung aus ihrem Gefieder. Ihre Flügel sanken erneut hinab, doch noch war die Situation ihr nicht behaglich genug, um endlich das kalte Wasser zu verlassen.

Erst jetzt wurde ihr so wirklich klar, welch lange, unbehagliche Pause bereits zwischen ihnen herrschte. Fragend kippte sie den Kopf ein wenig zur Seite und musterte den Fremden, der nun endlich aus seiner Starre herausgefunden hatte und sich wieder bewegte. Kalea wollte ihm etwas mehr Raum lassen und ein paar Schritte rückwärts machen, doch im Wasser war das schwieriger als angenommen. Ein wenig zappelt sie über den steinigen Seeboden und versuchte hinter sich Halt mit den Krallen zu finden, als der Fremde endlich seinen Schnabel öffnete.

Kaleas Blick, der sich kurz ein Stückchen von dem Männchen gelöst hatte, schoss augenblicklich zurück und sie starrte ihn regelrecht an. Für kurze Zeit herrschte Stille zwischen ihnen, während die Worte bei ihr ankamen.
Dann brach ein fast schon hysterisches Lachen aus ihren Schnabelwinkeln hervor, bevor sie es zurückhalten konnte. Hecktisch biss sie den Schnabel zusammen und nur mit großer Selbstbeherrschung schaffte sie es, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen und es bei dieser kurzen Reaktion zu belassen. Das breite Grinsen wurde sie trotzdem nicht los, selbst dann nicht, als sie sich zu einem tiefen Atemzug zwang, der sie hoffentlich wieder ein Stück ernster werden ließ.

“Dir sei verziehen.“, antwortete sie großzügig, wobei ihr die Belustigung noch immer überdeutlich anzuhören war. Der Fremde war ja ein richtiger Spaßvogel. Sie liebte diese Art von trockenem Humor einfach. Doch trotzdem schien das Eis zwischen ihnen noch lange nicht gebrochen.

“Nochmal, es tut mir wirklich leid“, beteuerte sie und neigte erleichtert den Kopf, als der Fremde versicherte, dass sie zumindest nicht in sein Revier eingedrungen war. Überhaupt wirkte er beinahe, als wollte er sich schon wieder davon machen. War das der Fall, so würde Kalea ihn sicher nicht aufhalten, doch es tat ihr leid, dass sie ihn von seinem Trinkplatz vertrieben hatte. Vielleicht konnte sie ihn ja doch noch zum Bleiben überreden.

“Ich würde das gerne wieder gut machen. Gerade brauche ich eine Pause aber wenn ich wieder fit bin, gehört die nächste Beute die ich fange ganz dir, sozusagen als Entschädigung. Was hältst du davon?“

Schließlich war Kiromah reich an Beutetieren. Auch wenn die Zeit alleine nicht in jeder Hinsicht einfach war, zumindest würde Kalea so schnell nicht fürchten müssen, zu verhungern.
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Prometheus
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Prometheus »

Sie lachte. Wenn sie lachte, bedeutete es schon, dass sie es witzig fand oder? Das würde bedeutet, dass Prometheus humorvoll war. Das war fast so gut wie etwas schlaues zu sagen.

Innerlich freute sich der Adlerherr, jedoch wirkte das leider nicht nach außen hin. Seine Krallen waren immer noch in den Stein geschlagen und seine Flügel standen immer noch leicht von seinem Körper ab, wenn auch nicht mehr so viel. Er legte seinen Kopf schief und beäugte die Adlerdame, die ihre Flügel wieder im Wasser hängen ließ.
Seine gelben Augen waren immer noch wachsam und aufmerksam auf die Adlerdame gerichtet. Sie sah wirklich ein bisschen traurig aus, wie sie tropfnass im See saß. Aber durch ihr Grinsen wirkte sie nicht mehr traurig, sondern irgendwie.. ja.. wie wirkte sie?

Prometheus legte seinen Kopf noch etwas mehr in die Schräge und ließ seinen Blick auf dem braunen Körper vor ihm ruhen. Er musterte die junge Adlerdame noch genauer. Die schönen Federn, auf denen die Tropfen schimmerten. Ihr starker Schnabel, der dieses Grinsen trug und ihre hellen, klaren Augen, die ihn anstarrten. So aufmerksam und.. ja, neugierig? Sie stand bis zum Bauch im Wasser und ihre Flügel berührten bestimmt fast den Boden. Musste es nicht kalt sein? Er blickte wieder zu ihr auf, weg von ihren Flügelspitzen, die man im aufgewühlten Wasser nur erahnen konnte.

Die Adlerdame unterbreitete ihm ein Angebot, gerade als er beschlossen hatte, sich wieder in die Lüfte zu erheben. Wäre es nicht irgendwie zu unmännlich sich von einer Dame das Fressen jagen zu lassen? Seine Schwester hatte zeitweise für Prometheus gejagt, weil er es nicht konnte und wenn sie keine Lust hatte, erst einige Zeit später zu fressen, weil Prometheus zu lange brauchte, um Erfolg zu haben.
Als er endlich einiger Maßen jagen konnte, hatte er für sie ab und an gejagt und war mächtig stolz gewesen, ihr die Beute zu bringen. Die Adlerdame erzählte, dass sie eine Pause machen wollte, bevor sie jagte. Sie sei zu erschöpft.
Der Adlerherr richtete seinen fixierenden Blick kurz von ihr ab und blickte hinauf zum Himmel. Die Wolken zogen sich enger zusammen und wurden zusehends dunkler. Vorhin hatte er schon gedacht, dass er einen Platz für die Nacht brauchte. Das würde etwas knapp werden mit der Pause und dann jagen und dann... ja und was dann? Sollten die beiden zusammen die Nacht verbringen? Und was war dann? Würden sie sich trennen oder zusammen bleiben? Was würde aus den beiden werden? Eine enge Freudschaft? Liebe? Oder würden sie einfach wieder getrennte Wege gehen? Die Gedanken rasten durch seinen Kopf. So viele Möglichkeiten.

Nur eine Möglichkeit gab es nicht. Eine Pause zu machen und dann zu jagen, am besten noch im Regen und bei Gewitter. Dann wären sie die ganze Nacht nass. Ih.
Also tat Prometheus das einzige, was in dieser Situation richtig war. Er kümmerte sich um sie, als wäre sie seine Schwester. Von Herzen.

"Danke, aber bevor du trocken und ausgeruht bist, ist es dunkel. Und es soll regnen... am besten du ruhst dich aus und ich hole dir etwas zu fressen, damit du diese Nacht nicht vom Ast fällst."

Er lächelte. Kurz - für den Bruchteil einer Sekunde - aber er lächelte. Und das Lächeln war für sie bestimmt. Er wollte höflich auf sie wirken und sich kümmern. So, wie es seine Schwester Prometheus einst beigebracht hatte.

"Bis gleich dann."

Mit diesen Worten breitet er seine Flügel aus und erhob sich in die Lüfte, um für die Adlerdame zu sorgen, deren Name er nicht einmal kannte, aber die auf ihn -das wusste er nachdem er jetzt überlegt hatte- irgendwie niedlich auf ihn wirkte.
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Kalea
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Kalea »

Kalea musterte den Artgenossen weiterhin mit leicht zur Seite gekipptem Kopf. Die Zeichen waren kaum sichtbar, doch allmählich entspannte sich der Adler. Ganz leicht zumindest. Sein Körper wirkte weniger angespannt, die Flügel ein bisschen weniger fluchtbereit. Sie hatte es tatsächlich geschafft, ihn nicht zu vertreiben. Zumindest jetzt gerade.
Er starrte sie immer noch an. Musterte sie abschätzend und Kalea begann ganz langsam sich etwas ausgeliefert zu fühlen. Sie musste wirklich erbärmlich aussehen mit dem nassen Gefieder und den hängenden Flügeln, doch was sollte sie machen?

In diesem Moment hätte sie ihm liebend gerne in den Kopf geschaut. Man konnte ihm beinahe ansehen, wie es darin arbeitete, doch Kalea hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was in ihm vorging. So konnte sie erneut nur abwarten, seinem inneren Konflikt zuschauen und auf die Entscheidung warten. Wenn sie mehr Zeit miteinander verbringen sollten, musste er wirklich entspannter werden. Sonst würde Kalea früher oder später irgendetwas unfeinfühliges sagen und ihn so doch noch in die Flucht schlagen. Darin war sie ein wahrer Profi.

Mit seinen nächsten Worten hatte sie dann allerdings gar nicht gerechnet. Dass er ihr Angebot ablehnte hatte sie beinahe befürchtet, doch nun wollte er für sie jagen? Kalea schüttelte den Kopf, fing sein Lächeln auf, das erste Mal, dass er irgendeine Veränderung seiner Mimik zeigte. Kurz lächelte sie zurück, bevor sie mit einer leichten Seitwärtsbewegung ihres Flügels abwinkte.

“Danke, aber das ist wirklich nicht nötig. Lass uns doch einfach…“

Doch es war zu spät, der Adler duckte sich bereits, breitete die Flügel aus und stieß sich kräftig vom Stein ab in den dunkler werdenden Himmel. Kalea sah ihm nach, kniff in dem Luftzug, den das auslöste kurz die Augen zu, bevor sie sich etwas irritiert abwandte und endlich aus dem Wasser watschelte.

Am Ufer schüttelte sie sich kräftig das Gefieder und strich sich ein paar Mal den nassen Kopf an der Innenseite ihres Flügels trocken, bevor sie noch einmal die Silhouette des Adlers in der Ferne beäugte.

Sie hätte die Situation ganz einfach pragmatisch sehen können, sie hatte einen Adler beinahe angegriffen und jetzt besorgte er ihr Beute. Besser ging es ja kaum. Doch ihr Gewissen versetzte ihr einen leichten Stich. Sie fühlte sich ein wenig, als würde sie den Artgenossen ausnutzen.

Doch gut, folgen konnte sie ihm nicht und hier sitzen und grübeln würde auch nicht viel bringen. Stattdessen ging sie auf die kleine Ansammlung an Bäumen zu und hob suchend den Blick hinauf in die Äste. Zumindest einen Ort für die Nacht konnte sie suchen, solange sie hier wartete. Denn für Kalea stand außer Frage, dass sie ihren Schlafplatz mit dem Adler teilen würde. So schnell würde sie ihn nicht wieder verschwinden lassen, schließlich war sie ihm etwa schuldig. Und vielleicht konnte er ihr sogar helfen zu finden, was sie suchte.
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Prometheus
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Prometheus »

Das Wetter wurde zunehmend schlechter, der Himmel verdunkelte sich und die Wolken wirkten schwarz und bedrohlich. Der Adlerherr spürte jedoch, dass es noch dauern würde, bis es zu Regnen beginnen würde. Allerdings spürte er irgendwo tief in sich, dass sich der Himmel nur auflud, aber das Unwetter, dass er zuvor gespürt hatte, nicht so schlimm werden würde, wie er bisher geahnt hatte. Es fühlte sich seltsam an, in ihm. Aber vielleicht lag das auch daran, dass er jeden Tag ein Stück weiter von seiner alten Heimat entfernt war oder an der Adlerdame, die er getroffen hatte. Konnte ein so kurzes Gespräch ein seltsames Gefühl auslösen? Es war kein negatives seltsames Gefühl, sondern ehr positiv, allerdings nicht eindeutig positiv. Ein bisschen verwirrend. Vielleicht lag es doch am Wetter, oder...?

Prometheus schob die Gedanken beiseite. Jede Minute, die sich der Himmel verdunkelte, versteckten sich die Beutetiere mehr. Sobald das Wetter umschlug und der Wind auffrischte, versteckten sich die meisten Tiere in ihren Höhlen oder suchten Schutz unter dichten Bäumen. Der Adlerherr konnte die Beutetiere zwar gut aus der Entfernung sehen, allerdings war es ihm nicht möglich mit seinen gelben Augen durch das dichte Blätterdach der Bäume blicken. Somit erschwerte sich die Suche nach Beute ziemlich.
Ein bisschen Angst kam in Prometheus auf, da er einige Zeit lang kein besonders guter Jäger war, jedoch hatten sich seine Fähigkeiten seit er alleine und unabhängig unterwegs war, deutlich verbessert. Hier im Tal hatte er auch mehr Möglichkeiten Beute zu jagen, da in seiner Heimat die Beute knapper war und hier die Tiere deutlich mehr Futter fanden als einige karge Pflanzen in den Bergen.

Er erspäte einen Hasen, der noch die letzte Helligkeit des sich zum Ende neigenden Tages nutze, um einige Gräser am Rand eines Baumstammes zu fressen. Prometheus beobachtete sein Ziel kurz und zog die Flügel an seinen Körper, um im Sturzflug auf den Hasen zu stürzen. Es war ein kurzer und schneller Prozess. Kurz vorm Boden streckte er seine Füße aus und in Millisekunden danach durchbohrten seine scharfen Krallen das Fell und Fleisch des Tieres. Prometheus stand kurz mit beiden Füßen auf dem pelzigen Beutetier, um sein Leben auszulöschen. Sekunden später verstummte das Herz des Hasen. Es war der Kreislauf des Lebens und der Hase hatte verloren. Der Adlerherr würde eines Tages auch verlieren - allerdings nicht heute.

Mit der Beute in seinen Klauen drückte sich Prometheus vom Boden ab und breitete die Flügel aus, um zurück zu seiner Adlerdame zu fliegen. Also.. der Adlerdame, nicht seiner, sondern einer.
Kurz nachdem er den Hasen erlegt hatte, kam er auch schon wieder an der Lichtung an, die in der Nähe des Ufers lag. Kurz blickte er sich um und sah aus der Luft, dass die Adlerdame aus dem Wasser gekommen und auf die Lichtung getreten war. Sie hatte etwas, was viele Adler an sich hatten, etwas stolzes und schönes. Prometheus fand an seinen Gleichgesinnten häufig diese Eigenschaften. Hart, stark und stolz. Das waren Adler in der Regel und sie war es auch. Prometheus war es nicht, jedenfalls war er es lange nicht. Langsam hatte er sich einen Weg dahin gearbeitet, auch stolz und stark zu sein und er hoffte irgendwie, dass die Adlerdame ihn auch so sah, wie er sie. Stolz und stark.
Wahrscheinlich streckte er deshalb seine Brust ein kleines bisschen mehr heraus, als sonst, als er vor ihr landete. Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment und er neigte seinen Kopf, um die Beute, die er für sie gejagt hatte mit dem Schnabel zu packen. Er hob den Hasen vom Boden auf und ging ein paar Schritte auf sie zu und legte den noch warmen Hasen vor ihre Klauen. Während er zu ihr lief, blickte er ihr in die Augen und hielt ihr Gesicht im Blick, als er sich nach dem Ablegen rückwärts zurück an seinen Platz, ein paar Meter vor ihr, zurücklief.

An seinem Platz wieder angekommen, blickte er sie weiter an und legte seinen Kopf leicht schief. Er war gespannt, wie die Adlerdame auf sein Gejagtes reagierte, ob sie sich freuen würde?
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Kalea
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Kalea »

Ihr Gefieder bekam ein wenig Zeit zu trocknen, sie hatte es gegen den Wind aufgestellt und ließ die kühle Luft dazwischen fahren und ihre müden Muskeln ein wenig abkühlen. So stand sie nun da, am Ufer eines fremden Sees und wartete auf einen fremden Adler, der ihr Beute brachte. Und das, obwohl sie ihn beinahe von einem Felsen gestoßen hatte.

Kalea lächelte über diese Absurdität und als sie den Blick träge in den Himmel hob erblickte sie ihn auch schon, den großen Adler, den sie nun seit vielleicht einer halben Stunde kannte. In den Fängen hielt er eine beeindruckende Beute und die Adlerin sortierte ihre Flügel und legte das Gefieder wieder an, als er vor ihr landete. Sie erwiderte seinen Blick und lächelte, sah dann beinahe schüchtern hinab auf die Beute, die er vor sie gelegt hatte.

“Beeindruckend, das war schnell,“ sagte sie und trat einen Schritt auf das tote Kaninchen zu, bevor sie ihn erneut ansah und seinen erwartungsvollen Blick auffing.

“Teilst du mit mir?“, fragte sie, sah ihn von unten an und schenkte ihm erneut ein Lächeln, welches sich irgendwie ein wenig falsch auf ihrem Gesicht anfühlte. Er war so schnell los geflogen, dass sie nicht hatte protestieren können, doch jetzt brachte er sie in Verlegenheit, mit dieser Beute die sie sich irgendwie erschlichen hatte. So etwas war sie nicht gewohnt und sie wusste nicht recht, wie sie reagieren sollte. Würde es ihn beleidigen, wenn sie ihm die Hälfte der Beute anbot? Nun, zu spät, sie hatte es bereits getan. Außerdem würde sie sich blöd vorkommen, ihm seine eigene Beute vor zu essen.

“Mit fällt auf, ich kenne nicht einmal deinen Namen. Ich bin Kalea. Verrätst du mir deinen? Damit ich weiß, wem ich danken darf?“

Vielleicht wurde die Situation besser, wenn der geheimnisvolle Fremde einen Namen hatte. Wenn er irgendwie etwas realer wurde, dieser Adler, der für sie jagte. Obwohl wir ihn beinahe vom Felsen gestoßen hatte.
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Prometheus »

Prometheus hielt seinen Kopf ein kleines bisschen schräger und bemerkte, wie ein kleines Lächeln für einen Moment den Schnabel der Adlerdame umspielte. Er hielt den Blickkontakt und neigte leicht den Kopf, als sie sagte, dass er schnell war. Würde seine Familie hören, dass jemand seine Jagdkünste als beeindruckend bezeichnet hatte, hätten sie es nicht geglaubt oder sie hätten es für einen Spaß gehalten.
Allerdings war er tatsächlich besser geworden. Schneller und wendiger als zuvor und er war nun zielsicher. Eigentlich hatte er immer Sorge, dass er sich im Sturzflug nicht rechtzeitig abfangen könnte und auf den Boden stieß, statt leicht darauf zu landen.
Aber seit er seiner Heimat den Rücken gekehrt hatte, war er sicherer geworden, wenn es um Sturzflüge ging und er war dadurch bestimmt auch ein wenig selbstbewusster geworden. Jedenfalls würde letztes erklären, warum er nun seine Brust etwas weiter herausstreckte und dadurch ehr Aufmerksamkeit auf sich zog, als wie zuvor, von sich abzulenken und sich klein zu machen. Zugegeben war er immer ein wenig aufgefallen, immerhin war er größer als manche andere Adler. Und natürlich war Prometheus durch das Fliegen gut bemuskelt und wirkte ein kleines bisschen stattlich, aber nur ein kleines bisschen. Außerdem konnte man seine Muskeln unter dem dichten braunen Federkleid nur erahnen.

"Danke, ich hatte schon."

lehnte er höflich das Angebot der Adlerdame ab. Es war nicht so, dass er nichts hätte fressen können, er wollte lediglich nicht. Die Dame sah schwach und erschöpft aus und konnte wahrscheinlich jedes bisschen Kraft, welche der Hase ihr geben konnte, gebrauchen.

"Nimm ruhig alles. Die Nacht könnte ungemütlich werden und ich möchte nicht, dass du vom Ast fällst."

Es sollte witzig gemeint sein, aber irgendwie war er zu angespannt, um lachen zu können. Stattdessen hielt er die noch leicht nasse Adlerdame, die sich nun als Kalea vorstellte, im Blick. Kalea. Ein kurzer und schöner Name. Ob der Name wohl eine Bedeutung hatte? Als sie ihn ausgesprochen hatte, musste Prometheus unwiderruflich an einen kühlen Sommerwind denken. Daran, wie es sich anfühlte, wenn die Sonne gnadenlos auf den Rücken knallte, während man in den Bergen kleine Täler überflog. Wenn es heiß war und man in der ohnehin dünnen Luft nach Sauerstoff schnappte und dann kam sie. Eine leichte kühle Brise, die die schmerzenden Muskeln und der müden Kopf durchfuhr und durch die die heiße Sonne im Rücken erträglich wurde. Kalea. Der kühle Wind, der die Nacht einleutete und der Hoffnung spendete, dass die endlos scheinende Hitze sich wieder zurückzog und man Pause machen konnte. Dass man sich erholen könnte. Jedenfalls ein bisschen.

"Mein Name ist Prometheus und du musst mir nicht danken. Es war mir eine Ehre für dich zu jagen."

Eigentlich könnte das hier der Beginn oder das Ende einer Geschichte sein. Er könnte jetzt aufbrechen oder hier bleiben. Er könnte gehen und sie sich ihrem Schicksal überlassen oder er würde bleiben und Teil ihres Schicksals werden - wenn auch nur für heute oder die nächsten Momente. Vielleicht auch für etwas länger oder gar ewig? Ein verrückter Gedanke, irgendwie.
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Re: Abendgewitter (zwischen Kapitel 5 & 6)

Beitrag von Kalea »

Der Adler lehnte ihr Angebot ab, schien jedoch wenigstens nicht beleidigt darüber, dass sie es ihm überhaupt gemacht hatte. Langsam trat sie näher und warf dem größeren Artgenossen von unten noch einen Blick zu.

“Bist du sicher? Letzte Chance!“, sagte sie leicht neckend und begann dann, sich über die Beute herzumachen. Das Fleisch schmeckte köstlich und Kalea merkte erst jetzt, wie ausgehungert sie tatsächlich war. In den letzten Wochen war ihr höchstes Ziel gewesen, so schnell wie möglich weiter zu kommen. Sie hatte selten gerastet und noch seltener gejagt. Sie war fast am Ende ihrer Kraft, doch diese Einsicht kam reichlich spät, wie ihr nun auffiel. Sie lächelte ihren Retter an und richtete sich kurz von der Beute auf, auch wenn sie sie am liebsten sofort im Ganzen verschlungen hätte.

“Danke, Prometheus. Ehrlich. Ich kann normalerweise besser für mich sorgen.“ Sie lächelte verlegen und zuckte mit den Flügeln.

“Ich hätte an der anderen Uferseite rasten sollen, mir etwas jagen und den See erst morgen überqueren. Sowas passiert mir eigentlich nicht.“

Sie redete zu schnell, das tat sie, wenn sie verlegen war. Was eigentlich nicht oft vorkam. Normalerweise wusste die selbstbewusste Adlerdame, wie sie sich verhalten sollte. Und was sollte ihr schon peinlich sein? Doch irgendwie wollte sie, dass der Alder sie nicht für unfähig hielt. Für ein kleines Küken, welches nicht für sich sorgen konnte. Obwohl es eigentlich egal war, was er dachte. Doch sie wollte das er wusste, wer sie war. Eine gestandene Adlerin mit ehrenhaften Zielen, die sich nur mal kurz ein wenig überschätzt hatte.

“Ich war nur in Eile“, erklärte sie und setzte sich nun ganz auf, sah den Artgenossen nun direkt aus ihren Bernsteinaugen an. Das Folgende war wichtig.

“Hast du vom Widerstand gehört? Und von den Ska?“, fragte sie und spürte, wie ihr Herz etwas schneller schlug. Sie musterte ihn genau, um schon vor seiner Antwort in seinem Gesicht lesen zu können, was er sagen würde.
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