Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Nyala
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala »

Auch der große Braunbär konnte nichts im Dickicht oder dahinter ausmachen. Es war aussichtslos einen Weg durch das dichte Unterholz zu finden und schließlich gab Nyala auf, was sie zugegeben sehr selten und nur widerwillig tat. Aber der Wald und seine Geister hatten beschlossen sie für unbestimmte Zeit festzuhalten. Sollten sie also doch auf die Worte des Hirsches hören, sich ein Plätzchen suchen und einfach ruhen, bis der riesige Vollmond von der Sonne abgelöst wurde?
Der Frust sprach aus der weißen Wölfin als sie sich lieber an die Front wünschte und dabei ein unwilliges Brummen als Antwort bekam. Rhorax hatte nicht unrecht, man sollte vorsichtig mit seinen Wünschen sein. Dennoch sah sich Nya selbst eher als jemanden der handelte und dieses Abwarten und in die Irre geführt werden, zermürbte sie mehr als ein Gegner, dem sie Auge in Auge gegenüberstand. Vermutlich hatte der Braunpelz gute Gründe, ihr nahe zu legen sich nicht so etwas zu wünschen. Vielleicht würde sie ihm später noch ein bisschen mehr auf den Zahn fühlen, wenn diese ganze Mission geschafft war. Sie konnten nur hoffen, dass es den weißen Raben wirklich gab und dass er die nötigen Informationen besaß, um Kiromah einen entscheidenden Vorteil gegen die Ska zu verschaffen.

Da auch Rhorax nichts ausmachen konnten, machten sich die beiden auf den Weg zurück zur Lichtung. Nyala trottete hinter dem Bären her, nachdem sie sich vom letzten Gestrüpp befreit hatte und schloss zu ihm auf. Kurz zögerte sie, sah sich noch einmal um und legte den Kopf verwirrt schief. Da wo sie sich eben noch halb über den Boden und durch die Büsche geschoben hatte, war nichts mehr von ihren Mühen zu sehen. Ganz so als hätte sich das Blätterwerk wieder davor geschoben und die kleine Lücke verschlossen. Ein leichter Schauer überlief die Helle. Sie mochte diesen Wald nicht. Ganz und gar nicht! Sie waren wirklich nicht weit gekommen, denn schon kurze Zeit später standen sie wieder am Rande der Lichtung und konnten die anderen Tiere sehen.
Ihr Ohr schnippte schräg nach hinten zu Rhorax, der leise und mehr zu sich selbst gesprochen hatte. Sie neigte ihren Kopf ein wenig in seine Richtung, sah ihn von der Seite her an und schüttelte sich einmal, nachdem ihr Blick wieder nach vorne gerichtet war, dann seufzte sie.

“Was anderes scheint uns eh nicht übrig zu bleiben“,

erwiderte sie und musterte mit interessiertem Blick das Geschehen auf der Lichtung. Die Lichterpollen, die davongeflogen waren, wanderten zurück zu ihren Ausgangspunkten. Was seltsam skurril und wunderschön aussah. Nya trat ein paar Schritte vor, neigte die Schnauze nach vorn und sah sich die Sache etwas genauer an. Doch das war nicht das einzige seltsame auf der Lichtung, zu den rückwärtsfliegenden Glühwürmchenpollen kam auch noch ein unnatürlicher Nebel, der sich langsam, aber zielstrebig über das Gras ausweitete. Die Wölfin drehte sich herum, machte zwei, drei Schritte rückwärts, um dem Nebel auszuweichen. Gleichzeitig witterte sie, doch da war kein Geruch, dafür so ein Gefühl von Müdigkeit, dass sie bis eben noch nicht verspürt hatte. Ausruhen war das eine, schlafen etwas ganz anderes. Und als Leittier durfte sie nicht einfach einschlafen, dass ging doch nicht. Sie blinzelte und sprang halb herum, versuchte eine Warnung an ihre Rudelmitglieder zu richten, doch ihre Zunge war schwer und der Ruf lediglich ein leises Seufzen.

“Passt auf… der Nebel…“

Ein Gähnen folgte, ein Blick hinüber zu Rhorax und dann gab ihre Hinterhand nach. Lediglich mit den Vorderbeinen hielt sie sich noch einige Augenblicke aufrecht, während die kurzzeitig aufkommende Panik sich in Ruhe verwandelte und sie sich schließlich einfach hinlegte und die Augen schloss.

“Rasten klingt wirklich nicht schlecht…“,

kam ein leises Murmeln über ihre Lefzen, ehe ihr Bewusstsein schwand.

[ kehrt mit Rhorax zurück zur Lichtung / bemerkt den Nebel / versucht die anderen zu warnen / wird müde und schläft ein ]
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Nyphteq
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq »

Eine Antwort blieb der dunkle Wolf Nyphteq vorerst noch schuldig, was durchaus zu ihrem Bedauern war. Sie würde ihn wohl später noch einmal darauf festnageln müssen. Zunächst aber hatte Kailan die beiden nun erreicht und unterbrach damit vorerst die Unterhaltung der ungleichen Gesprächspartner, um ein leidiges Thema wieder anzuschneiden.

Die Bärin hatte die ersten Worte kaum ausgesprochen, da vervollständigte sie die Katze innerlich zu einem ‚Danke, dass du dich eingesetzt hast, aber das war wirklich unnötig gewesen bla bla‘. Nur ein seichtes Ausatmen und ein langsames Schließen der Augenlider ließ ihre innere Genervtheit erahnen. Bald, dachte sie, hatte jeder im Widerstand einmal seinen Senf dazugegeben und dann wäre sie hoffentlich endlich durch mit der Geschichte. Wenn sie einfach ihre Ohren auf Durchzug stellte und es über sich ergehen ließ, war es vielleicht sogar schneller vorbei als sie dachte. Doch der Satz der Bärin endete ganz anders, als sie erwartet hatte.

Die goldgrünen Augen der Kätzin öffneten sich und blickten verdutzt zu der Braunpelzin hinab. Hatte sie gerade wirklich ihr Mitgefühl beteuert? Darauf war Nyphteq nicht vorbereitet gewesen und fühlte sich nun eiskalt ertappt. Es dauerte deshalb einen Herzschlag, ehe die Miene der Berglöwin weicher wurde und sich ihr Blick und die dunklen Ohren interessiert zu Kailan drehten. Dieser Zuspruch war, auch wenn sie es sicher nie zugegeben hätte, wie Balsam auf der geschundenen Seele der Katze. Man konnte sogar meinen, dass sich nun ein seichtes Lächeln auf ihren Fang stahl, das wieder verebbte, als die Bärin auf Vishuni zu sprechen kam.

„Da hast du wohl recht“,

stimmte Nyphteq der Bärin zu und wirkte dabei sogar einigermaßen wohlwollend. Dennoch war deutlich zu sehen, dass die fremde Artgenossin dadurch keine neuen Sympathiepunkte bei der Raubkatze sammelte.

„Nur wenn sie androht, einen unserer Gefährten zu fressen, ist Zeit eben nichts, was wir haben.“

Dabei glitt ihr Blick zu Raaka, der es sich auf Kailans Schultern gemütlich gemacht hatte und bislang, wie der Katze nun auffiel, ungewöhnlich ruhig geblieben war. Verdenken konnte sie es ihm nicht. Er plapperte schließlich den lieben langen Tag. Irgendwann musste selbst er ja auch mal müde werden.

A apropos müde – Die Erschöpfung, die Nyphteq nun schon seit geraumer Zeit spürte, schien sich allmählich wieder in den Vordergrund zu drängen, als wolle ihr Körper ihr klarmachen, dass es nun endlich Zeit zum Ausruhen war. Vielleicht waren es Kailans Worte gewesen, die geholfen hatten, die innere Aufgewühltheit wieder etwas in Einklang zu bringen. Jedenfalls hatte sie mit jedem Atemzug das Gefühl, entspannter zu werden. Ihr Blick folgte den langsam aufkommenden Nebelschwaden, die sich halbdurchsichtig über die Lichtung legten. Es sah schon recht hübsch aus und unterstrich die mystische Aura, die diesen Ort umgab. In der Entfernung sah Nyphteq, wie einige ihrer Gefährten sich in dem hellen Schleier niedergelegt hatte und dieser wie eine Decke über sie hinweg strich. Nur eine Verknüpfung mit dem Nebel und der eigenen aufkeimenden Müdigkeit wollte ihr Kopf nicht mehr hergeben. Ihre Gedanken wurden mehr und mehr zu zusammenhangslosen Fäden, die dann abrupt abrissen. Hatte Kailan eben noch etwas gesagt? Ein letztes Mal zuckte die Katze noch leicht zusammen, als sie merkte, dass sie für einen Moment abgedriftet war, dann aber schlossen sich langsam und ohne, dass sie etwas dagegen hätte tun können, ihre Augen.

[ Auf dem Baum | ist dankbar für Kailans Worte | wird allmählich müde und schläft ein ]
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Farlan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Farlan »

Kurz sauste ein kühler Windhauch durch das lichte Fell des dunklen Fellträgers, der unweigerlich ganz kurz fröstelte, aber bemüht war, sich das keinesfalls anmerken zu lassen. Gar nicht so leicht!

Inzwischen hatte sich die große braune, auch Bärin genannt, nähergeschoben. Das war Farlan in seiner unheimlich grandiosen Aufmerksamkeit – und deren Defizit – beinahe entgangen, so unwahrscheinlich das auch wirken mochte. Wahrscheinlich würde er auch einen Sturm erst wahrnehmen, wenn er mittendrin stand. Und sich dann moppernd beklagen, wo denn bitteschön dieses Wetter herkam! Aber das Wetter schien vorerst nicht zu einem Thema zu werden…oder doch?

Farlan war um einen offenen Blick zur Bärin bemüht. Ergo sah er so aus, als würde er sie im nächsten Moment fressen wollen, meinte das aber – natürlich – gar nicht so. Unglückliche Mimik ließ sich manchmal eben nicht vermeiden. Dass die Bärin keine Anstalten machte, ihn hierfür zu schelten, nahm er sich vor, ihr hoch anzurechnen, wobei ihr Fokus ohnehin eher auf Nyphteq zu liegen schien. Das war nun aufgrund der vertrauten Beziehung untereinander alles andere als verwunderlich.

So lauschte der Rüde erst noch und hatte schon bald vergessen, was er der Katze noch hatte sagen wollen. Aber auch ihm kam dieser Wald mittlerweile ziemlich seltsam vor. Schließlich sah er, nach dem Einwand der Bärin, nochmals zu Nyphteq.

„Da magst sogar du recht haben. Ich habe euer Gezänk eher wahrgenommen, weil mir fast die Lauscher geblutet hätten. Das war nicht nur nicht schön, das war sehr….na, eines guten Gefährten fast unwürdig.“

Der Moment des langsam dünner werdenden Eises war wohl nicht nur gekommen, sondern hatte sich beinahe schon selbst überholt. Dass die Katze zunehmend schläfrig wurde, bekam er indessen erst jetzt so richtig mit und sah zu Bärin und Rabe.

„Ich habe, muss ich zugeben, nicht vor, euch so schnell von der Flanke zu weichen. Das mag jetzt ungewöhnlich erscheinen, aber ich habe kein großes Interesse daran noch einmal Kreise um mich selbst zu ziehen….sozusagen. Und nichts anderes scheine ich ja in den letzten Momenten dieses Tages getan zu haben, nicht wahr?“

Es gelang Farlan sogar beinahe, aber eben nur beinahe, komplett bar jeder Süffisanz zu antworten…das erste Mal seit Jahren vermutlich. Wäre der Anlass nicht so seltsam, wäre er fast versucht gewesen, ein wenig stolz auf sich zu sein. Aber so? So würde vermutlich alles beim Alten bleiben.

„Möglich, dass ich grumpig, unzufrieden und fies wirke, aber das ist nicht mein Kern. Aber der ist ziemlich verschüttet.“

beschloss er, schließlich noch kryptisch anzuhängen.


[ bei Nyph, dann plus Kailan und Raaka, erklärt sich….ein wenig. ]
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Spielleitung
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung »

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UPDATE:
Die Prüfung

Keiner konnte genau sagen, wieviel Zeit verstrichen war. Einzig, dass der nebelige Dunst der die Lichtung eingehüllt hatte, jeden nach und nach ins Reich der Träume befördert hatte, stand außer Frage. Und ein jeder hatte geträumt. Mehrfach und unterschiedlichste, fantastische und teilweise wahnsinnige Dinge. Ein Traum war verrückter gewesen als der andere und so fühlten sich die Wenigsten wirklich erholt, als sie wieder ihre Augen öffneten und langsam allesamt im gleichen Moment erwachten.

Egal wo sie der Nebel in den Schlaf befördert hatte, sie lagen alle beieinander im Zentrum der Lichtung. Der Vollmond war verschwunden und ein orangeroter Himmel kündete vom nahenden Sonnenaufgang. Die Luft roch frisch und auf den Grashalmen der Lichtung klebten kleine, glitzernde Tautropfen. Von den Lichtern der Nacht fehlte jede Spur. Dort, wo noch vor kurzem der Tümpel gelegen hatte, ruhte nun ein flacher, kaum über die Wiese hinausragender Felsen einem Podest gleich im Gras. Und hinter dem Podest stand er wieder: Der nebelumwaberte, halb durchsichtige Hirsch mit dem majestätischen Geweih, der sie vergangene Nacht auf der Lichtung begrüßt hatte.

"Ich hoffe ihr seid etwas erholt und bereit für eure Prüfung. Solltet ihr erfolgreich sein, dann erweist ihr euch würdig dem weißen Raben gegenüber zu treten. Falls nicht…"

Es folgte Schweigen. Die geisterhafte Gestalt brachte den Satz nicht zu Ende. Stattdessen erklang ein vielstimmiges Tuscheln über ihnen. Überall, in den Baumkronen und auf den Ästen der die Lichtung säumenden Bäume kreisten, schwebten und huschten schwach glimmende Lichter umher, jedes Einzelne umrahmt von einer sanften, schimmernden Aura. Kaum ein Licht glich farblich einem anderen und insgesamt, so konnte man meinen, waren alle Farben des Regenbogens vertreten. Diese kleinen Dinger waren ohne Zweifel die Quelle allen Wisperns und Tuschelns, dem sie seither in diesem Wald begegnet waren. Und obwohl sie keine Augen hatten, so schien es, als seien alle Augen auf die Gruppe gerichtet. Doch es war der Hirsch, der wieder das Wort ergriff.

"Dies sind die Wirrex, die Richter eurer Prüfung. Sie sind Irrlichter. Verlorene Seelen von Tieren, die nach ihrem Tod nicht zu den Geistern zurückgefunden haben. Der Geisterwald zieht sie alle an und hier verbleiben sie bis zum Ende aller Existenz. So manches, was euch hier widerfahren ist, lässt sich auf sie… auf uns zurückführen."

Einige Wirrex kicherten leise und mit glockenhellem Tonklang.

"Eure Prüfung lautet wie folgt: Tretet vor und offenbart euer Herz. Sprecht aus was euch ängstigt, belastet, was euer Herz berührt, was vielleicht schon seit langem in eurem Geiste ruht. Geheimnisse, Geständnisse, Ängste, Freuden, Dinge die ihr noch nie jemanden erzählt habt. Wir Wirrex können in euch hineinsehen. Wir erkennen die Überwindung, die es euch kostet euer Innerstes zu offenbaren. Uns und euren Gefährten. Und je mehr Überwindung es euch kostet laut auszusprechen, was euer Herz verbirgt, desto mehr steigt eure Chance zu bestehen. Aber seid vorsichtig, wir durchschauen auch Lügen."

Als der geisterhafte Hirsch das Wort Lügen aussprach, verflimmerte er kurz und es war jedem auf der Stelle klar, dass Lügen sie ihre Mission kosten konnten.

"Vielleicht sind es nur wenige von euch, die vortreten müssen, wenn das was sie sagen viel Überwindung kostet. Erzählt ihr uns Lappalien, kann es hingegen länger dauern. Und langweilt ihr uns mit Offensichtlichem, dann kann es auch passieren, dass eure Chancen wieder sinken. Tretet einzeln vor auf den Felsen der Wahrheit und sprecht laut und deutlich. Eure Prüfung beginnt jetzt."

Und wie am Abend zuvor löste sich der Hirsch auf. Doch anstatt als Nebelwolke im Boden zu versinken, teilte er sich in hunderte Wirrex auf, die zu den umliegenden Bäumen und ihren Artgenossen auseinanderstoben und dort in der ersten Reihe ihren Platz fanden. Mehr als zuvor lagen nun alle Augen des Waldes auf unserer Gruppe.
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Raaka
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka »

Ein spitzer Grashalm beugte sich, beschwert von dem Gewicht eines Tautropfens, bedrohlich über Raakas Kopf und machte Anstalten, denselben zu kitzeln, ließ sich dann aber von einer leichten Brise umstimmen, um dem Vogel stattdessen den dicken Tropfen direkt aufs Gesicht klatschen zu lassen. Der schwarze Federling war schlagartig wach, schüttelte heftig den Kopf und klapperte ein paar mal mit dem Schnabel, weil der süße Tau in seinen Mundwinkel gelaufen war, ehe er mit aufgerissenen Augen seine Umgebung taxierte.

Er war nicht sicher, ob er als erster aufgewacht war, denn in die Gruppe war allgemeine Regung eingekehrt. Aber doch war er froh, nun wach bleiben zu dürfen, denn sein Schlaf war nicht gerade besonders erholsam gewesen. Die wirren Träume, die ihn heimgesucht hatten, verblassten bereits wieder ebenso wie die Erinnerung daran, dass ein paar dieser Träume so abgedreht waren, dass sich sogar im Schlaf sein Verstand zu Wort gemeldet hatte, um ihn zu sagen: ‚Hey, das hier kann wirklich nicht real sein. Wach auf, du träumst!‘ – natürlich vergeblich, denn der bleierne Schlaf ließ nicht von ihm ab. Dabei konnte er sich gar nicht daran erinnern, überhaupt eingeschlafen zu sein oder daran, wie er zurück zur Lichtung gekommen war.

Doch nun, da er endlich wach bleiben und seinen Kopf wieder sinnbringend einsetzen durfte, kamen die Erinnerungen an den vergangenen Tag zurück. An die Abenteuer und Mysterien, die sie überstanden hatte und natürlich auch an den weißen Raben. Als sich dann ein alter bekannter auf der Wiese zeigte und schließlich das Wort erhob, war die unruhige Nacht längst vergessen und der Verstand des Vogels wieder geschärft und vor allem eines: neugierig!

Raaka lauschte mit offenstehendem Schnabel, was der Nebelhirsch zu sagen hatte, folgte mit dem Blick dann gebannt dem Spiel der Wirrex und hätte am liebsten so viele Fragen gestellt. Ganz klar, wenn es um verlorene Seelen und Geister ging, war der Wissensdurst des Schwarzen unstillbar. Aber… er durfte nicht, ja, er musste sich gar mit mentaler Gewalt zurückhalten, denn es folgte die Beschreibung der Prüfung, die sie – hoffentlich – zu ihrem Ziel führen würde.

Diese Prüfung allerdings, so spannend sie auch klingen mochte – zumindest für einen weltoffenen Vogel wie ihn – knallte Raaka vor den Kopf wie eine Felswand im Nebel. Er wäre mit Freuden auf diesen Erzähltsein gehüpft und hätte seine geheimsten Geheimnisse offenbart. Dies hier waren schließlich seine Freunde und er hatte nichts zu verbergen. Aber genau da lag das Problem: er hatte nichts zu verbergen. Jedenfalls wollte ihm partout nichts einfallen, das dunkel, skandalös oder bitter genug war, um die Wirrex zufriedenzustellen. Und selbst wenn es etwas gab, die Überwindung darüber zu reden war gleich null. Er hätte bereitwillig darüber geplaudert und das schien ja genau das zu sein, was die Wirrex nicht beeindruckte.

Ein Frösteln ging durch seine Schwingen, obgleich die wärmende Sonne auf sie herab lachte. Er war so begierig darauf, alles zu versuchen, um den weißen Raben zu finden. Er wollte helfen! Doch gerade eben, so schien es ihm, konnte er nicht helfen. Er war nur ein nutzloses Stück Ballast. Diese Einsicht entlockte ihm ein frustriertes Seufzen. Was konnte er schon tun? Er war viel zu mickrig, um als guter Kämpfer gegen die Ska durchzugehen und seine Stärken bezogen sich allein aufs Denken und aufs Reden. Aber genau diese ließen ihn nun im Stich. Und vielleicht würde er am Ende der Gruppe gar nicht zum Erfolg verhelfen, sondern war stattdessen an ihrem Scheitern mitschuldig.

[ Bei den anderen | ist total fertig, weil ihm nichts einfällt, das er sagen kann ]
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Nyala
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala »

Der Nebel brachte vielleicht Schlaf, aber er brachte auch Träume mit sich und diese hatten es in sich. Nyala wurde von einem wahnsinnigen Erlebnis zum nächsten gezerrt, mal rannte und sprang sie über Wolken, dann fiel sie in Bodenlose Tiefen, nur um kurz darauf gegen ein dutzend bärenähnliche Ska zu kämpfen, während ihr ein Rotfell verrückte Geschichten erzählte. Am Ende konnte sie sich jedoch nur noch an Bruchstücke erinnern als sie wieder erwachte und sich blinzelnd umsah. Ihre Kameraden lagen nah bei ihr mitten auf der Lichtung. Das allein war schon merkwürdig, doch es wurde noch komischer. Der kleine Teich war ebenso verschwunden, wie der große Vollmond und von den hellen, leuchtenden Pollen war auch nichts mehr zu sehen. Dafür war dort plötzlich ein steinernes Podest. Nyalas Augen huschten zunächst zu ihren Freunden, alle waren da und erwachten ebenso wie sie aus dem trügerischen Schlaf. Offenbar ging es allen gut, was schon mal ein positiver Aspekt war, besser auf jeden Fall als der schimmernde Hirsch der plötzlich wieder auftauchte und Nya dazu veranlasste auf die Beine zu springen, was ihr Bein mit einem leichten Ziehen kommentierte.

Waren sie dem weißen Raben tatsächlich schon so nah? Oder war das alles ein weiterer bekloppter Traum, der die weiße Fähe in die Irre treiben wollte? Sie wusste es nicht, weshalb ihr nichts anderes übrigblieb als zu zuhören. Ihre Ohren schnippten als das Wispern von überall zu hören war und sie dieses Mal die Quelle der Stimmen ausmachen konnten. Nya sah sich um, erblickte überall die bunten Lichter und trat unweigerlich einen Schritt dichter an die Gruppe heran. Ihr gefielen diese geisterhaften Gestalten und Lichter nicht.

“Ihr wart das also“,

zischte die Wölfin und funkelte die sogenannten Wirrex böse an als einige von ihnen kicherten. In die Irre geführt hatten sie sie alle. Doch ihr blieb kaum Zeit sich weiter darüber zu echauffieren, weil die Hirschgestalt ihnen ihre Prüfung erzählte. Prüfung… es gab also tatsächlich eine und nur wenn sie diese bestanden, würden sie ihr Missionsziel erreichen und hoffentlich an Informationen kommen, die ihnen allen half gegen die Ska vorzugehen.
“… Tretet vor und offenbart euer Herz….“, was für eine bescheuerte Prüfung sollte das denn sein?! Ein beinah herablassendes Schnauben entwich Nyala Lefzen und sie schüttelte verständnislos den Kopf. Sie würde ganz sicher nicht ihr innerstes nach außen kehren und alle Welt daran teilhaben lassen, wovor sie Angst hatte oder welche Geheimnisse sie mit sich herumtrug. Als das Bild des Hirsches beim Wort ‚Lügen‘ flackerte, legte sie die Ohren an und ließ sie zu Ende sprechen. Dann löste sich die Gestalt auf und hunderte Wirrex nahmen auf ihren Richterbänken in den Ästen der Bäume Platz.

Die Helle trat vor, blickte hinauf zu den Irrlichtern und lief dann auf das Podest zu, ganz so als wollte sie den Anfang machen und mit gutem Beispiel voran gehen. Doch bevor ihre Pfote den Stein berühren konnte, blieb sie stehen und schnupperte an dem Felsen, der nichts mehr mit dem Gewässer zu tun hatte, welches heute Nacht noch hier gewesen war.

“Was soll das für eine Prüfung sein?! Ich für meinen Teil habe nichts zu berichten, aber ihr könnt euer Glück gerne versuchen. Ich halte das alles jedoch für Entenkrütze“,

sagte Nya, drehte sich herum und ging zurück zu den anderen, wo ihre braunen Augen an Raaka hängen blieb, der soeben schwer seufzte und einen so geknickten Eindruck machte, wie sie ihn bei ihm noch nie gesehen hatte. Natürlich glaubte er an den weißen Raben und somit auch an die Prüfung, aber weshalb war er dann so niedergeschlagen? Sie blieb neben ihm stehen und stupste ihn mit der Nase an.

“Was ist los Aschefeder?“,

fragte sie ihn und nutze gezielt einen Spitznamen, so wie er sie immer Wolkenwölfin nannte. Das sie die Wirrex mit ihren Worten womöglich verärgerte oder sogar das Ziel der Prüfung damit ins Wanken brachte, war der Fähe nicht bewusst. Sie war einfach generell niemand, der viel über sich Preis gab und von daher blockte sie direkt ab und hielt alles einfach für Schwachsinn, dabei war diese Aufgabe vielleicht gerade für sie eine der Schwierigsten. Sie müsste nur über ihren eigenen Schatten springen und allen erzählen was auf ihrem Herzen lag, welche Last sie mit sich Trug und welche Wünsche sie einst hatte.

[ wacht auf I lauscht I hält alles für Schwachsinn und will nichts erzählen I geht zu Raaka und spricht mit ihm ]
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Kailan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Kailan »

Kailan wachte auf der Wiese in der Nähe der anderen Tiere auf und hob erstmal benommen ihren Kopf. Ihre Träume waren hart und grausam gewesen und unüberwindbar. Sie lauschte benommen dem Wirrex – Hirsch und konnte es nicht glauben. Das sollte ihre Aufgabe sein, aber das war doch nicht der ihr Ernst. Sie schaute immer noch ein wenig fassungslos zwischen ihren Gefährten hin und her. Aber diese konnten es vermutlich auch nicht glaube. Es war so einfach und doch so schwer. Nayla schien das auszusprechen was viele dachten und ging dann zu Raaka, welcher irgendwie verloren wirkte. Kailan erhob sich. Sie hätte einiges zu erzählen was sie mit sich rumtrug. Aber wirklich vor allen ihr Herz ausschütten. Sie war sich nicht sicher, ob sie das konnte und wollte. Ihre Schritte trugen sie langsam und wie selbstverständlich zu dem einzigen Tier, dass sie am Längsten kannte und welchem sie am Meisten vertraute. Ihr Tatzen glitten über Pollen und ihr Blick fiel eher beiläufig auf den Felsen, welscher gestern noch See gewesen war. Hier war wirklich gar nichts normal. Aber irgendwie hing sie zu sehr ihren Gedanken nach, als das sie all dies wirklich bemerken würde. Sie konnte diese Aufgabe erfüllen, dachte die Bärin, aber hatte sie genug Kraft oder ausreichend Mut dafür. Irgendwie nicht, außerdem hatte sie Sorge sie würde es nicht schaffen, ohne zusammenzubrechen unter der ganzen Qual und dem Leid, an welches sie sich erinnerte. Die Träume hatten ihr übriges getan und nun saß sie genau neben Yaize und schaute die Füchsin unsicher und traurig an. Wenn es Kailan nach diesen durchlebten Träumen schon so ging, wie sollte es ihr dann erst da oben gehen. Die Anderen kannten sie als unerschütterliche Bärin, welche noch nie die Fassung aufgrund ihrer Gefühle verloren hatte und immer für alle gekämpft hatte. Und nun?! Nun sollte sich alles ändern… Das wollte sie nicht. Sie wollte nicht von den anderen beurteilt oder verurteilt werden, nicht hören wie sehr sie von ihnen bemitleidet wurde oder wie recht sie vielleicht mit ihren Schuldgefühlen hatte. Sie wollte nichts davon hören. Aber mit irgendjemandem musste sie reden. Die Träume in der Nacht hatten sie verletzlich gemacht und Kailan fand es furchtbar. Aber Yaize würde sie vielleicht verstehen oder ihr Mut geben oder…. Die Bärin wusste es selbst nicht. Ihre Stimme war nur ein leichtes, trauriges Flüstern. Schreckliches ging Kailan durch den Kopf. Ihre Stimme war so leise, dass nur die Füchsin sie hören konnte:

„Hilfst du mir?“

In diesen drei Worten steckte so viel Bedeutung auf einmal und so viel Nachrichten, dass sie gar nicht wirkten, wie als ob sie ausreichen würden. Sie sagten hilfst du mir nach dieser Nacht, bleibst du bei mir, sollte ich mich dieser Aufgabe stellen. Kommst du mit mir, wenn ich diesen Felsen besteige. Hörst du mir zu, worüber ich reden will.


[ ist nach der Nacht von den Träumen noch stark benebelt | völlig in Gedanken versunken | traumatisiert von auf sie einströmenden Erinnerungen | wendet sich an Yaize ]
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Yaize
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize »

Yaize erwachte nach einer unruhigen und wenig erholsamen Nacht im Kreise ihrer Freunde und Weggefährten. Im Schlaf hatten sie einige Erinnerungen heimgesucht, manche angenehm und schön, andere quälend und schmerzhaft. Ein Gähnen aus weit aufgerissenem Maul und das Schütteln ihres Kopfes sollten Helfen das, was vom Schlaf übriggeblieben war, abzuwerfen. So ganz gelang ihr das aber nicht. Ihr Fell wirkte gesträubter als sonst, ihre Ohren unruhiger und ihre gesamte Körperhaltung angespannt und nervös. Während die Wirrex sich in Form dieses merkwürdigen Hirsches zu erkennen gaben und sich ihre Prüfung offenbarte, putzte sie sich ihre Pfoten und ihren Bauch, sah immer wieder zu den Anderen, leckte über ihre Nasenspitze und spähte missmutig immer wieder hinauf zu den Lichtern in den Baumkronen. Als ihre Prüfung begann und Nya den Anschein machte den Anfang zu machen, da folgte ihr der Blick der kleinen Füchsin neugierig. Doch es kam anders.

Keiner wagte sich so wirklich vor, einige schienen gar in Starre verfallen zu sein während andere die Prüfung offen ablehnten. Dabei waren sie so weit gekommen. Als ein Schatten auf sie hinab fiel blickte Yaize auf und direkt in die Augen ihrer Freundin Kailan. Sie erkannte, dass es der Bärin nicht gut ging, dass sie etwas bedrückte und die nachfolgenden Worte unterstrichen diesen Eindruck noch einmal vehement. Die Füchsin hielt den Blickkontakt aufrecht, versuchte zu verstehen was Kailan von ihr erwartete, wie sie der Bärin helfen konnte, dabei legte sie kurz den Kopf schief und schlang ihre Buschige Rute im Sitzen um ihre Beine und ihren Bauch. Dann lächelte sie.

Es war nur ein schmales, aufmunterndes und freundliches Lächeln, aber anders als die Worte, die ihr nicht einfielen um Kailan Mut zuzusprechen, fiel ihr diese Geste nicht schwer. Sie schob die Nase vor und stupste die Bärin freundschaftlich an, vergrub ihre spitze Fuchsnase einen Atemzug lang im kurzen Fell der Vorderpranke der Bärin und zog sie dann wieder zurück. Yaize seufzte und sog tief die Luft ein, ehe sie sich erhob und das Fell durchschüttelte. Dann tapste sie zwei-drei Schritte vor.

"Wir schaffen das!"

Ihre Stimme klang sehr überzeugt von dem was sie sagte und schließlich setzte sie eine Pfote vor die andere, schnurstracks auf das steinerne Podest zu. Der Magen der Füchsin fühlte sich flau an. Schwerer noch als offen zu sprechen und zu überlegen, was sie sagen sollte, war es als erste vorzutreten. Aber wenn sie es nicht tat, wer würde es dann? Irgendjemand musste den Anfang machen. Nyala hatte deutlich gemacht, dass sie es nicht sein würde und Kailan wirkte zu verunsichert. Irgendjemand musste anfangen und verdreckt, dann würde dieser Irgendjemand eben sie sein.

Sie wagte es nicht mehr sich umzublicken, meinte aber alles und jeder auf der Lichtung würde sie ansehen. Zumindest fühlte es sich an als würden aberhunderte Blicke auf ihr ruhen. Als sie den Stein erreichte nahm sie auf ihm Platz, richtete den Kopf auf und schloss ihre Augen. Es war einfacher sich vorzustellen sie wäre alleine, spräche mit sich selber. Mit allem Mut den sie imstande war aufzubringen begann sie zu sprechen. Ihre Stimme klang zunächst etwas kratzig und gebrochen, wurde dann aber zunehmend sicher und melodischer. Erneut lag ihre Fuchsrute um ihren Körper geschlungen, die Ohren waren aufgestellt und während der gesamten Zeit hielt die Füchsin die Augen geschlossen.

"Ihr wollt also etwas hören. Gut… da seid ihr bei mir genau richtig. Ich kann viel und lange Erzählen, das können die meisten hier bezeugen. Allerdings gibt es nicht viele Geheimnisse die ich offenbaren kann. Es ist kein Geheimnis, dass ich oft gegen meine Angst anzukämpfen habe. Angst zu versagen, zu schwach zu sein oder andere zu enttäuschen. Es ist kein Geheimnis, dass es mich jeden Tag aufs Neue Überwindung kostet dem Widerstand und meinen Freunden hier treu zu sein. Oft wäre ich gerne einfach davongelaufen, hätte mich im nächstbesten Erdloch verkrochen und mein Leben damit gefristet zu fressen, zu schlafen und abzuwarten, bis die Ska uns alle überrennen. Wäre deutlich einfacher."

"Wer mich kennt und vor allem wer mich schon länger kennt wird all diese Dinge schon längst bemerkt haben, ob ich sie schon ausgesprochen habe oder nicht. Ja, ich bin ein ängstliches, kleines Füchschen. Trotzdem bin ich immer noch hier. Vielleicht weil ich zu viel Angst davor habe Angst zu haben. Vielleicht auch, weil irgendjemand etwas unternehmen muss. Ich weiß es manchmal selber nicht genau."

"Was ich aber weiß und vielleicht ist das etwas, dass ich noch nicht so wirklich laut ausgesprochen habe… diese Gruppe, meine Freunde hier, sind mehr Familie für mich als ich je eine Familie gehabt habe. Fast jede Nacht in meinen Träumen und bei vielen Gelegenheiten in denen ich in ruhe nachdenken und mich erinnern kann, habe ich immer wieder die Gesichter all der Tiere vor mir, die ich begleiten durfte seit wir damals zum ersten Mal am Silberfelsen aufgebrochen sind. Ich habe so viele von ihnen auf die unterschiedlichste Art und Weisen kommen und gehen sehen, dass ich zu manchen kaum Gelegenheit hatte irgendeine Bindung aufzubauen. Und dann gab es andere, die vermisse ich so schmerzlich und andauernd, dass es weh tut. Auch wenn ich mich manchmal mit ihnen gezofft habe, auch wenn manche mich nur als anstrengendes Anhängsel betrachtet haben oder nicht viel mit mir anfangen konnten – natürlich merke ich sowas - ich habe sie alle auf ihre eigene Art gemocht. Enapay, Sayblee, Nicatlon, Flyght, Sayo, Trotzki, Chiyoko, Zach, Thalia, Gil, Ruhqio, Asuka oder Nunki… und all die anderen. Sie alle fehlen mir und waren wie Familie für mich."

"Ich bin dankbar, für alle die noch da sind. Auch sie sind mir wie eine Familie. Und vielleicht ist das der Grund, warum ich noch nicht davongelaufen bin. Aus Angst sie zu verlieren. Oder anders formuliert, weil ich mich in ihrer Nähe wohl fühle. Egal ob wir gerade dabei sind einen Angriff auf die Ska zu planen oder einfach nur auf unsere nächste Mission warten. Sie machen, dass ich weniger ängstlich bin, jawohl!"

Mit diesen trotzigen Worten beendete Yaize ihr Selbstgespräch, öffnete wieder die Augen und sah hinauf zu den Lichtern in den Bäumen. Es rührte sich kaum etwas und da diese Wirrex eine eigenartige Körpersprache hatten die sich so grundlegend von der ihren Unterschied, war es ihr nicht möglich zu erkennen, ob und wie ihre Worte aufgenommen worden waren.

Einen tiefen Atemzug später erhob sie sich, drehte sich um und tappte langsam wieder zu ihren Freunden zurück, ein leichtes Lächeln auf den Lefzen. Sie vermied irgendjemanden für längere Zeit direkt in die Augen zu sehen, ließ den Blick stattdessen leicht schweifen.

"Da… ist ganz einfach."

Es war ihr anzumerken, dass sie log. Dennoch versuchte sie bis zu dem Moment, an dem sie wieder neben Kailan Platz genommen hatte, ihre optimistische Miene zu wahren. Erst dann ließ sie die Schultern leicht sinken und begann von neuem sich ihre Pfoten zu putzen, die Ohren nun halb hängend und der Blick abwesend auf ihren Pelz gerichtet.

[ bei Kailan | versucht der Bärin Mut zu machen, tritt als erste vor und spricht zu den Wirrex ]
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Rhorax
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Rhorax »

Als wären die Bilder der letzten Nacht nicht schon genug gewesen war das, was sich abspielte nachdem Rhorax die Augen wieder geöffnet und sein Geist mehr oder weniger wieder in der Gegenwart angekommen war, abstruser und fantastischer als so mancher Traum, den er im Leben geträumt hatte. Dieser Hirsch, die Lichter… Wirrex, wie sie sich selbst nannten, diese seltsame Prüfung. Der Bär musste sich einmal an der Nase kratzen um sicher zu sein, dass er wirklich wach war.

Was da von ihm verlangt wurde war so anders als das, was bisher von ihm erwartet worden war. Er war ein Kämpfer, ein Krieger gegen die Ska. Kein alberner Geschichtenerzähler und Unterhalter für irgendwelche leuchtenden Waldgeschöpfe, denen langweilig war. Seine Nase leicht gekräuselt und die Augen verengt sah er von der Lichtung zu den Ästen der umliegenden Bäume und weiter zu seinen Begleitern. Nyala war es, die in etwa das aussprach, was er dachte und die Füchsin, Yaize, tat genau das Gegenteil von dem was er vor hatte zu tun. Er lauschte ihr, sogar mit etwas Anerkennung als Erste vorzutreten. Letztendlich betrachtete der Bär dieses ganze Kammerspiel jedoch als Quatsch. Gut, hier gab es Dinge die er zuvor noch nie gesehen hatte und vielleicht hatten die Informanten Recht und es gab den weißen Raben wirklich. Vielleicht hatten sie die Möglichkeit mit ihm zu sprechen, aber zu welchem Preis? Und was sollte er ihnen schon erzählen was ihnen gegen diese invasiven Käfer helfen würde?

Sollten sie ihm einfach ein paar Ska vor die Nase setzen, einen stärkeren Artgenossen oder seinetwillen eine Herde Bisons gegen die er zu kämpfen hatte. Dazu wäre er eher bereit gewesen als sich auf diesen lächerlichen Felsen zu begeben und über sein Leben und seine Gedanken zu plaudern. Es gab Dinge im Leben eines Bären, die gingen niemanden etwas an und selbst wenn, dann würde er es sein der Entscheidet, wann er mit wem über was auch immer redet. Kein vermaledeiter Wald.

"Ohne mich."

Brummte der Bär stur und ablehnend, als die Füchsin wieder neben ihrer Leitbärin Platz genommen hatte. Er lehnte diese Prüfung ab. Sollten sie halt ohne die Informationen zum Rat zurückkehren. Er hielt es eh immer noch für am Besten die Ska auf offenem Feld zurückzuschlagen mit aller Kraft, die sie aufzubringen im Stande waren.

Mit den zwei laut ausgesprochenen Worten und seiner ablehnenden Gestik war soweit alles gesagt. Er sah abwartend, beinahe schon ungeduldig zu den anderen. Am liebsten wäre es ihm jetzt gewesen, eines der Leittiere würde zur Rückkehr zum Rat aufrufen. Hier hatten sie nichts mehr verloren.

[ an der Seite der anderen | lehnt die Prüfung ab und hält es für das Beste, umzukehren ]
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Nyphteq
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq »

Auch Nyphteq hatte der Schlaf mit unruhigen Träumen gequält, in denen sie die meiste Zeit wohl gerannt war. Vor wem oder wohin blieb ihr nur noch in schleierhafter Erinnerung, doch das Gefühl überwog, dass sie am Ende immer wieder nur an ihrem Ausgangspunkt angelangt war. Und obwohl beim Erwachen ein eigenartiger Phantomschmerz von ihren Muskeln auszustrahlen schien, konnte sie sich beim besten Willen nicht erklären, wie sie von ihrem Baum heruntergekommen und zu den anderen zurückgekehrt war.

Ihr Kopf rauschte, während die Flut an Eindrücken und Informationen auf sie einprasselte. Die Rückkehr des Hirsches und der bunten Lichter – der Wirrex – die Verkündung ihrer Aufgabe und das neue Erscheinungsbild der Lichtung, all das musste die Katze erst einmal verarbeiten. Zu der Prüfung hatte sie sich noch keine Meinung gebildet, als Nyala als erste das Wort erhob und genau das aussprach was man von der weißen Wölfin erwartet hätte. Ein Teil von Nyphteq hätte dieser Einstellung gerne sofort beigepflichtet, doch ein anderer, erschreckenderweise viel größerer Teil in ihr hing gedanklich noch den Worten des Hirsches nach. Sie waren eindringlich gewesen, beinahe bedrohlich und hatten eine schleichende Wirkung auf die Berglöwin, die mit der Zeit immer schärfer wurde.

Vielleicht war es einem inneren Abwehrmechanismus geschuldet, der aber mehr und mehr versagte, dass Nyphteq erst mit den verstreichenden Sekunden bewusst wurde, welchen Teil ihrer Vergangenheit sie offenbaren müsste, um der Aufgabe gerecht zu werden. Einen Teil, den sie nicht ungeschehen machen, aber auch niemals hinter sich lassen oder gar vergessen konnte. Es reichte schon, dass sie auf diese Weise wieder damit konfrontiert wurde, damit sich ihre Kehle zuschnürte und ihr das Atmen schwerer fiel. Darüber zu reden war für sie undenkbar, erst recht nicht vor all ihren Gefährten und jenen Begleitern, die sie nicht länger als einen Tag kannte. Auf der anderen Seite aber fühlte sie sich von diesem dämlichen Hirsch und seinen blöden Wirrex dazu gedrängt, genau das zu tun. Aber das war unmöglich. Selbst wenn sie es wollte, sie konnte nicht. Oder konnte sie und wollte es nicht?

Nyphteq hatte sich nach dem Aufwachen auf die Hinterläufe gesetzt und hatte ihre Position seit dem nicht mehr verändert. Inzwischen saß sie gänzlich wie versteinert da. Ihr Blick schien irgendwo auf einem unbestimmten Punkt in der Ferne zu liegen, die Ohren waren unschlüssig zur Seite geneigt und selbst die Schwanzspitze, die sonst selten still stand, zeigte keinerlei Regung. Lediglich ihre Muskeln waren so angespannt, dass hin und wieder ein leichtes Zittern durch ihre Schultern ging und das sie nicht unterdrücken konnte, egal wie fest sie die Kiefer aufeinander presste.

Am liebste wäre sie aufgestanden und hätte die Lichtung auf Nimmerwiedersehen verlassen. Doch selbst wenn sie einen Ausgang gekannt hätte, ihr Körper hätte ihr in dieser Situation wohl kaum gehorcht. Genauso abwesend wie Nyphteq auf die anderen wirken musste, so abwesend fühlte sie auch sich selbst gegenüber. Als wäre sie nicht mehr Herrin über sich selbst. So konnte sie einfach nur starr dasitzen und beobachten, wie Yaize sich als erste auf den Felsen traute und Herz ausschüttete. Hoffentlich würden die Worte der Füchsin den Wald zufriedenstellen und die Katze aus ihrer beklemmenden Lage befreien, bevor die unterdrückten Gedanken und Gefühle die Oberhand über sie gewannen.

[ bei den anderen | beobachtet still und starr was vor sich geht | wirkt angespannt und abwesend ]
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