Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Nyphteq
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq »

Es war vorbei. Sie hatte ausgesprochen, was ihr schon so lange so schwer auf dem Herzen lag. Endlich hatte sie ihrem Kummer Luft gemacht und sich den Schattenseiten ihrer Vergangenheit gestellt. Doch fühlte sich Nyphteq damit keineswegs besser. Viel mehr fühlte sie sich emotional entblößt, verletzbar und schuldig. Und viel schlimmer war, dass die Erinnerungen, die unvergesslichen Bilder in ihrem Kopf nun deutlicher und klarer vor ihrem inneren Auge herumtanzten als zuvor. Da waren ihre Jungen, deren Fleckenkleid bereits halb ausgeblichen war, glücklich spielend und jagend vor ihrem Unterschlupf. Doch einen Wimpernschlag später verwischten die schönen Erinnerungen und machten den grauenerregenden Bildern des Angriffs Platz, so als wolle ihr Geist sichergehen, dass sie jenen schicksalhaften Tag auch wirklich niemals vergaß.

Die Augen der Raubkatze waren zu schmalen Schlitzen verengt und ihr Atem blies flach und schnell aus dem leicht geöffneten Fang. Von der Außenwelt bekam sie kaum noch etwas mit, bis eine seichte Berührung sie schlagartig in die Gegenwart zurückholte. Nyphteq blickte auf dem roten Ball zu ihren Pfoten und straffte unwillkürlich die Schultern. Auch wenn ihr bewusst war, dass Yaize längst wissen musste, wie es ihr ging, versuchte sie vor ihrer Gefährtin noch immer die Fassung zu wahren. Das war nichts, über dass sie groß nachdachte oder das sie willentlich hätte beeinflussen können. Es war einfach passiert, wie ein lang eingeübter Abwehrmechanismus der zur Routine geworden war. Die Bilder vor dem geistigen Auge verblassten, dafür füllte sie die Leere nun mit den Eindrücken ihrer Umgebung.

Yaize sprach nicht und doch verstand Nyphteq ihre Botschaft mehr als deutlich. Mit ihrer Geste zeigte die Rote mehr Einfühlungsvermögen, als die Katze vermutet hätte, nur konnte diese ihre Wertschätzung schwerlich zum Ausdruck bringen. Vielleicht reichte es, dass sie die Nähe einfach nur zuließ und sich mit der Zeit ihre Schultern wieder ein wenig entspannten. Ihre Augen, welche die ganze Zeit über auf die Baumwipfel gestarrt hatten, erfassten nun erstmals wieder wirklich ein Bild. Überall in den Ästen, zwischen den Zweigen und auf den Grashalmen schwebten die Wirrex und schienen ungewöhnlich still. Wenn man davon absah, dass sie sich offenbar an dem Leid von anderen labten, waren diese Wesen ja wirklich hübsch anzusehen. Konnte es sein, dass ihr Leuchten intensiver geworden war? Zumindest ein Teil von ihnen strahlte kräftiger als andere. Auf jeden Fall waren sie deutlich bunter als am Vortag.

[ mit Yai am Rand der Gruppe | bekommt langsam einen klareren Verstand | betrachtet die Wirrex ]
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Raaka
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka »

Über die Erzählungen seiner Freunde hatte Raaka wohl ganz vergessen, seine Kehlfedern in Ordnung zu bringen, die bei den haar- oder besser gesagt federsträubenden Geschichten selbstverständlich nicht stillhalten hatten können. Zum Glück schien Yai ihm dabei helfen zu wollen. Der schwarze wich mit einem Kopfnicken der entgegen gepusteten Daune aus und ließ sich vom schelmischen Blick der Füchsin einen Moment lang fangen. Sie grinste fast so, als wäre eben gar nichts Schlimmes passiert und auch wenn Raaka wusste, dass es gerade eben überhaupt nichts zu Lachen gab, traute er sich dennoch, die Geste als kleinen Hoffnungsspender anzunehmen.

Er krächzte leise und dankbar, wenn auch sehr verhalten, als die Rote an Nyalas statt auf seine Frage antwortete. Natürlich hatte sie nicht unrecht, aber dennoch war er froh darüber, im Anschluss auch von Nya die Bestätigung zu erhalten, wohl einfach aus der Befürchtung heraus, man konnte ihm sonst vorwerfen, sich zu viel herauszunehmen.

Yaize war bereits wieder weiter gezogen, kümmerte sich um die geschundene Seele ihrer kätzischen Gefährtin. Indes nahm Raaka die. ihm angebotene Schulter seiner weißen Freundin dankend an. Er hatte noch keinen genauen Plan davon, was sie vorhatte, aber das brauchte er auch gar nicht um zu wissen, dass er sie gerne begleiten wollte. Die Aufklärung folgte auch sehr bald, als Nyala die drei bisher schweigsameren Begleiter ihrer Gruppe ansteuerte. Sie hatten sich, abgesehen von Rhorax’ Unmutsbekündung über diese Aufgabe, bisher noch nicht zu Wort gemeldet und Nya fasste dies, wie der schwarze fand, auf eine sehr diplomatische und wohlwollende Art und Weise zusammen.

Dennoch schien von den Dreien tatsächlich nichts weiter als Ablehnung zu kommen. Aber wer war er denn, der er selbst ja nichts auf dem Felsen vorgetragen hatte, dass er sie dafür nun verurteilen würde. Auch wenn er sich bei Gevatter Wolf nicht sicher war, ob dieser nicht doch einen Moment lang überlegt hatte, ob er sich trauen sollte. Raaka wartete noch einen Moment, ob er oder einer der anderen sich nicht doch noch ein Herz fasste, bis er sich diese Frage innerlich selbst mit einem klaren Nein beantworten konnte.

Von ihren Schultern aus tauschte der Raberich einen fragenden Blick mit Nyala aus, auch wenn er sich nicht sicher sein konnte, dass sie diesen überhaupt sah. Dennoch glaubte er, dass es nun in Ordnung war, wenn er etwas sagte. – Endlich, dachte er. Auch wenn seine Worte vielleicht nicht ganz der Aufgabe entsprachen, sie kamen dennoch aus tiefstem Herzen und würden ihrer Prüfung damit sicher zumindest nicht abträglich sein. Aber ganz davon abgesehen, war es ihm ohnehin viel wichtiger, seinen Gefährten, seiner Familie, zu helfen, für sie da zu sein und vielleicht ein wenig Mut machen zu können. Erstmals während dieser Mission lag sein Fokus nicht einzig und allein darauf, den weißen Raben zu finden, wenn dieser natürlich auch nie ganz in Vergessenheit geraten war.

Raaka räusperte sich verlegen, ehe er von Nyalas Schulter hüpfte und langsam Richtung Felsplateau tippelte. Kurz bevor er es erreichte blieb er stehen, blickte unschlüssig hinauf und drehte sich dann davor stehen bleibend zu seinen Gefährten um. Er hatte nicht das Gefühl, zu verdienen dort oben zu stehen. Als wäre er der erhöhten Position nicht würdig, denn immerhin war sein Beitrag zu ihrer Mission allenfalls verschwinden gering. Aber zumindest konnten ihn dort wer er jetzt stand alle gut sehen. Noch einmal räusperte er sich leise und war sich dabei noch nicht ganz sicher, wie er sich in seiner Haut fühlen sollte. Aber einen Rückzieher wollte er auch nicht machen, schließlich war das Schlimmste dass ihm passieren konnte – dass er sich etwa blamierte – nichts im Vergleich zu dem, was seine Freunde durchmachen mussten.

„Es erfordert viel Mut, über die Dinge zu sprechen, über die ihr heute gesprochen habt“,

begann er also und hatte nach diesem einleitendem Satz bereits schon wieder etwas mehr Entschlossenheit gefasst.

„Was ihr erlebt habt, war schlimm, wenn nicht sogar grauenerregend. Yaize und Nya…“

Dabei fasste er erst die eine, dann die andere Angesprochene kurz ins Auge.

„Ihr hattet es in der Vergangenheit beide nicht leicht, hattet mit Ängsten und Verlusten zu kämpfen, ebenso wie mit den Erwartungen, die andere, aber auch ihr selbst an euch hattet. Doch ich glaube, ihr habt nicht nur mir und sicher auch den anderen damit Mut gemacht, ihr seid auch selbst daran gewachsen. Ein weiser Rabe hat mal gesagt, die Vergangenheit formt uns, doch sie bestimmt nicht, wer wir sind. Wir selbst entscheiden, wie wir damit umgehen und ihr beide habt eure Erfahrungen eindeutig genutzt, um zu lernen, die beste Version eurer selbst zu werden. Das gebührt Respekt und ich hoffe, das ist euch bewusst.“

Als nächstes blickte er sich nach Kailan und Nyphteq um, auch wenn Letztere den Blick nur mit ihrem Rücken erwiderte. Seine Augen wurden dabei etwas schwerer doch gerade diese beiden brauchten Trost und Zuspruch so dringend, dass er den Versuch nicht ungelassen sein konnte.

„Kailan, Nyphteq… Ich kann gar nicht beginnen zu beschreiben wie ich nach euren Geschichten empfinde. Ich denke, jeder hier stimmt mir zu, wenn ich ich sage, dass euere Schicksale wohl das Schlimmste sind, was einer Mutter passieren kann. Es gibt nichts, was euren Verlust wieder gut machen kann und ihr habt mein unendliches Mitgefühl. Doch ich bitte euch, macht nicht euch selbst dafür verantwortlich, was euch zugestoßen ist. Ihr habt keinen Fehler gemacht und wenn überhaupt beweist ihr jeden Tag unglaubliche Größe, indem ihr dabei helft, anderen Tieren dieses Schicksal zu ersparen. Ich bin ganz sicher, eure Kinder haben euch längst verziehen und sind stolz auf das, was ihr in ihrem Gedenken tut. Wo immer sie auch sind, sie sind bei euch und helfen euch bei eurer schweren Aufgabe, die viel größer ist, als wir alle selbst.“

Bei diesen Worten spürte der kinderlose Raberich, wie ihm selbst ein kleiner Kloß in der Kehle zusammenwuchs und war dennoch dankbar darüber, diese Art von Empathie spüren zu können.

„Ich möchte allen, die heute gesprochen haben, aber auch denen, die nur zugehört haben, von Herzen danken. Ihr alle habt gezeigt, dass Respekt, Akzeptanz und Einfühlungsvermögen Werte sind, die in unserer Gruppe großgeschrieben werden. Und dadurch habe ich viel gelernt. Heute morgen dachte ich noch, ich sei nutzlos, weil ich in dieser Prüfung nichts beitragen konnte. Doch durch euch habe ich erkannt, dass es verschiedene Arten gibt, zu helfen. Und dass egal was passiert, wir uns immer gegenseitig helfen werden. Das macht mich sehr stolz, Teil dieser Gemeinschaft zu sein…“

Raaka hatte sich selbst von seinen Worten forttragen lassen, sodass er gar nicht mitbekommen hatte, dass er in der Zwischenzeit einige Schritte auf seine Gefährten zu gemacht hatte. Nun, da er alles gesagt hatte was ihm auf der Seele brannte, verblieb er damit, den anderen noch ein warmes Rabenlächeln zu schenken, ehe er sich wieder an Nyalas Seite begab. Er fühlte sich noch doch ein wenig erleichtert, doch seine größte Hoffnung bestand darin, dass seine Worte seinen Freunden zumindest ein bisschen geholfen hatten.

[ erst bei Nya | spricht dann vor dem Felsen stehen zu den anderen | äußert Dankbarkeit und Respekt ]
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Rhorax
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Rhorax »

Der große Bär schnaubte verächtlich und brummte in sich hinein, während er beobachtete wie die Wirrex sich an den Erzählungen der anderen ergötzten und veränderten, begannen zu flimmern und zu glimmen. Labten sie sich am Leid seiner Begleiter? Brauchten sie das zum Leben oder diente es rein ihrem Vergnügen? Unruhig scharrte Rhorax mit der rechten Vorderpranke über den Boden der Lichtung und wünschte sich nichts sehnlicher als einen Feind aus Fleisch und Blut vor sich, den er anstürmen und zerfleischen, die Kehle herausreißen und dessen Knochen er zu Staub zermahlen konnte um dieses Elend, das hier über sie gebracht wurde, zu beenden. Er lauschte zwar den Erzählungen der anderen, bekam alles mit. Aber statt, dass die Worte Kummer oder Mitgefühl in ihm wachsen oder ihn unter ihrer Last leiden ließen, schürten sie nur seinen Zorn auf diesen Wald und diese unsägliche Prüfung.

Als Nyala vortrat und zu ihm, Farlan und Vishuni sprach, sah er sie direkt an und auch, wenn sie ihn und die anderen beiden aus der Pflicht nahm, machte es dies nur noch schlimmer. Plötzlich hatte er eine Wahl und musste sich selbst damit auseinandersetzen ob und wenn, aus welchem Grund er vortreten und sprechen sollte. Es wurde ihm nicht einfach befohlen. Das hätte es durchaus erleichtert. Als schließlich Raaka vortrat und sich zu Wort äußerte und eine ausführliche Rede über Respekt, Akzeptanz und Einfühlungsvermögen hielt, da reichte es dem Bären und er wusste, was er zu tun hatte.

Kaum dass der Raberich geendet hatte, stapfte Rhorax los und so knapp an dem Schwarzgefiederten vorbei, dass sie sich beinahe berührten. Der Blick des Bären war weder auf das Felsplateau, noch auf die Umgebung oder seine Gefährten bedacht, sondern stur auf die Wirrex gerichtet. Noch bevor seine letzte Tatze den felsigen Untergrund erreicht hatte, donnerte er aus lauter Stimme los.

"Ihr dreckigen Viecher stellt uns diese Prüfung, als hätten wir die Wahl einfach umzukehren, wenn sie uns nicht passt. Ihr wisst doch schon längst weswegen wir hier sind, ist es nicht so? Und anstatt uns gegen diese… diese elende, abartige Insektenplage zu unterstützen habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch an unserem Leid zu ergötzen. Wärt ihr aus Fleisch und Blut, ich würde euch alle in der Luft zerreißen."

Ein tiefes, kehliges und allen Zorn zum Ausdruck bringendes Knurren verließ die Kehle des Braunen, ehe er weitersprach.

"Ihr wollt etwas Hören? Bitte… ich habe reihenweise Widerstandkämpfer auf dem Gewissen. Alle gestorben, als sie unter mir als Leittier den Silberfels gegen die Ska verteidigen und die flüchtenden Tiere beschützen sollten. Weil ich in meinem Blutrausch gefangen war und den richtigen Moment verpasst habe den Rückzug anzutreten. Und zu aller Unverschämtheit habe ich dieses Massaker auch noch überlebt. Hätte ich meine Zeit im Versehrtenlager nur damit verbracht ihnen hinterher zu trauern und meine Narben zu zählen, statt mir meiner Schuld bewusst zu werden und meiner Verpflichtung, den Rest meines Lebens diesen Fehler wieder gut zu machen, dann hättet ihr jetzt ein weiteres Häufchen Elend hier vor euch sitzen."

Der Große verengte die Augen und brummte mürrisch.

"Aber diese Genugtuung gönne ich euch nicht. Vergesst es. Ich bin mit mir im Reinen und hätte selbst einen Zeitpunkt gefunden meine Gefährten einzuweihen. Doch dafür, dass ihr unsere Notlage schamlos ausnutzt und uns zu diesen Geständnissen… ja, zwingt… dafür hasse ich euch. Das macht euch in meinen Augen zu genau so einer Plage wie die Ska."

Die abschließenden Worte des Bären wurden leiser, drohend und voller Verachtung für die Wirrex ausgesprochen.

"Soll ein flammender Blitz euch treffen und euch und diesen verdammten Wald zu Staub und Asche niederbrennen..."

Mit dieser letzten Verdammung auf den Lefzen wandte Rhorax sich langsam um und stapfte wieder zu den anderen zurück. Weder wirkte er erschöpft noch erleichtert, lediglich sein Zorn schien etwas abgeebbt zu sein, nun wo er seinem Unmut ungezügelt Luft gemacht hatte. Ohne jemanden eines Blickes zu würdigen begab er sich wieder auf seinen vorherigen Platz, setzte sich und funkelte die Wirrex in den Bäumen über ihnen aus kleinen, wachsamen Augen an.


[ am Ende wieder bei der Gruppe | tritt vor löst sich auf "charmante" Art von seinem großen Geheimnis ]
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Vishuni
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Vishuni »

Einer nach dem anderen packte hier sein Herz aus, machte sich verwundbar und fühlte sich danach elend. Vishuni sah es in ihren Gesichtern, während sie selbst nur von hilflosem Zorn überrannt wurde. Als die weiße Wölfin sich nun vor sie stellte und sie mehr oder weniger aufforderte, sich an dieser Seelenqual zu beteiligen, verengte Vishuni warnend die Augen und unterdrückte ein leises Knurren. Es gab nichts, was sie sagen wollte. Der zottelige alte Wolf neben ihr schien das ähnlich zu sehen, auch wenn seine Stimme leise und unentschlossen war. Die Puma schwieg lieber, falls sie es sich doch nochmal anders überlegen würde. Die verdammten Glühwürmchen über ihnen führten einen Funkeltanz auf, schienen sich am Elend hier unten zu laben. Vishuni knurrte leise hinauf, bevor der Flatterrabe seine Rede begann.

Zunächst lauschte sie ihm nur halbherzig, doch als er davon begann zu kämpfen, um anderen Tieren dieses Schicksal zu ersparen, sprang sie auf die Pfoten. Sie merkte erst, dass sie stand, als ihre Rute ihr zornig um die Läufe peitschte. Verdammt recht hatte er! Sie waren hier, um zu kämpfen und diese verdammte Welt zu retten! Und nicht um ein paar sadistische Glühwürmchen mit ihren Leiden zu erfreuen! Um vielleicht einen Raben zu finden, der vielleicht wusste, wo es einen Gegenstand gab, der vielleicht irgendwie hilfreich war. Das war die reinste Schikane! Vishuni stapfte ein paar Schritte vor, bevor eine tiefe, kräftige Stimme sie bremste. Überrascht sah sie zu dem großen Bären, der den Felsen für sich eingenommen hatte. Langsam trat sie wieder zurück und ließ sich zögernd wieder auf ihrem Platz nieder, wartete mit aufgestelltem Fell auf ihre Gelegenheit.

Ein elektrisierendes Gefühl durchströmte die Puma, als die kraftvolle Stimme über die Lichtung donnerte. Vishunis Blick folgte dem des Bären hinauf zu den Wirrex, die nach Vishunis Einschätzung spätestens jetzt vor lauter Furcht erlöschen mussten. Selbst Vish bekam ein unwohles Gefühl, angesichts des Zorns dieses riesigen Raubtieres. Doch seine Worte trafen auf absolute Zustimmung in den Katzenohren.

Seine Offenbarung hatte sie dennoch nicht erwartet. Der Bär hatte tatsächlich Widerstandstruppen in den Kampf geführt? Vishuni war sich nicht sicher, ob er nicht zu streng mit sich ins Gericht ging. Seine Kämpfer hatten das Risiko gekannt und ihm vertraut. Ob sie bereuten, für diese Sache gestorben zu sein? Diese Gedanken sorgten dafür, dass die Katze ein wenig ruhiger wurde, gleichmäßiger atmete und den schneidenden Blick auf die Wirrex für den Moment aufgab. Doch als der Bär geendet hatte, stand sie auf und trat vor. Sie stapfte auf die Lichtung, blieb jedoch vor dem Felsen stehen und starrte hinauf.

“Ich habe eigentlich nicht viel zu sagen. Ihr spielt ein dreckiges Spiel mit uns, labt euch an unserem Leid und versperrt uns den Weg zu unserem Ziel. Sollte ich jemandem meinen Feind beschreiben, fände ich ein solches Verhalten doch sehr würdig, um euch einen solchen zu nennen!“, knurrte sie hinauf, das Nackenfell gesträubt. Ihr Blick war eiskalt, als sie die Wirrex über sich fixierte.

“Ich bin hier, um mich meinem wahren Feind zu stellen. Ich habe mein ganzes Leben lang nur auf mich selbst geschaut. Ich war mir selbst immer am Nächsten, mir war egal, was um mich herum geschah. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht aus Nächstenliebe hier bin. Ich möchte die verdammten Ska besiegen, weil sie mir meine Heimat weggenommen haben, weil sie mich nachts nicht schlafen lassen, weil sie mein Leben bedrohen. Ich stand oben in der Nahrungskette und das wurde mir genommen. Ich kämpfe für das, was mir zusteht, ein ruhiges, geordnetes Leben als Einzelgängerin. Darum bin ich hier!“, fauchte sie hinauf und warf auch den anderen einen herausfordernden Blick zu, bevor sie das Wort nun an alle richtete und die Wirrex in ihrem Rücken ignorierte.

“Ihr könnt euch gerne vorstellen, ich hätte andere Beweggründe. Doch die habe ich nicht. Ich kämpfe für meinen Frieden, für das Leben, welches ich geführt habe, bevor die Ska herkamen. Ich bin egoistisch und selbstbezogen, doch ich bin hier. Ich stehe hier bei euch, bereit an eurer Seite zu kämpfen und wenn es sein muss mein Leben zu geben. Darum habe ich euch aufgesucht. Wenn euch das nicht reicht, dann schickt mich fort. Ich werde euch vermutlich niemals meine Familie oder meine Freunde nennen. Aber ich beginne langsam, euch zu respektieren, euch kennen zu lernen. Und vielleicht werde ich euch irgendwann verstehen. Doch auf jeden Fall werde ich euch beistehen. Und wenn ihr es euch wirklich leisten könnt, auf grenzenlosen Mut, scharfe Krallen und tödliche Zähne zu verzichten, die euch den Rücken freihalten nur weil meine Absichten vielleicht weniger ehrenhaft sind, dann sagt es jetzt. Ich werde einen anderen Weg finden.“

Zornig stapfte sie davon, an den Rand der Gruppe und ließ sich wieder auf ihren Platz sinken. Sie hielt den Blick stur auf ihre Pfoten gerichtet. Nun hatte sie doch einen Teil ihres Inneren offenbart. Schade nur, dass ihre Geschichte nicht von Hingabe und Verlust erzählte oder von ehrbaren Absichten. Ihre Geschichte war eine andere.


[lauscht den anderen, wird zornig | tritt vor und erzählt, warum sie hier ist]
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Farlan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Farlan »

Farlan hatte nicht vor, seine Meinung ganz grundsätzlich zu ändern. Das ‚Es geht niemanden etwas an‘ war schließlich nicht nur einfach so dahergesagt, sondern hatte durchaus seinen wahren Ursprung. So gesehen hatte das helle Wolkenwolfdings ihn durchaus ein wenig in die Bredouille gebracht. Aber eben nur ein wenig, wie die zusammengekniffenen Augen des alten Rüden bekundeten. Die Augen…mit das beste, was an Farlan noch zu funktionieren schien, wobei sich das Gehör die letzten Minuten durchaus in gutem Zustand präsentiert hatte.

Farlan hob den Kopf und sah sich um. Nachdem jetzt auch in wenigen Augenblicken der zweite große, braune Brummer getan hatte, was er für notwendig hielt, kniff Farlan die Augen zusammen. Druck? Nein, den gab es nicht, dennoch rang er sichtbar mit sich. Irgendetwas in ihm ließ ihn arbeiten, ließ ihn nachdenken und skeptische Blicke nach links und rechts werfen. Beinahe spürte er, wie die Wirrexe die Blicke auf ihn legten, losließen und ihn doch wieder einfingen, mit diesem hässlichen Soundpark im Hintergrund.

„Nein.“
Schien die schlussendlich am besten funktionierende Reaktion. Und damit schob sich der Rüde auch schon in den Hintergrund zurück und beschloss, fortan mehr zu beobachten.
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Spielleitung
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung »

UPDATE:
Der weiße Rabe

Mehr und mehr begannen nun auch die letzten Wirrex in das Glimmen ihrer Artgenossen einzustimmen, bis der gesamte Wald über ihren Köpfen zu strahlen und zu funkeln schien. Wie vom Wind getragten schwirrten die kleinen Lichter von ihren Ästen und tanzten auf unsichtbaren Pfaden über die Lichtung, schwangen von unsichtbar strömenden Flüssen bewegt zueinander auf das Felsplateau und verbanden sich zu einer immer größer anschwellenden, immer intensiver glimmenden, strahlenden Masse. Die Gruppe wurde geblendet vom Licht der abertausenden und es dauerte einige Atemzüge lang, ehe es wieder abebbte. Der zuvor noch von unzähligem Leben bevölkerte Wald um sie herum schien mit einem mal trist und dunkel, leblos und leer. Sämtliche Wirrex waren verschwunden.

Sie waren wieder alleine, abgesehen von einer gedrungenen, schneeweißen Gestalt, die auf dem Felsplateu vor ihnen saß und sie aus großen, goldenen Augen heraus ansah. Ein Rabe mit weißem Federkleid, die einzelnen Daunen und Federn schimmernd und glänzend, so als wären sie aus Kristall oder milchigem, kaltem Eis und würden das Licht vieler Sterne widerspiegeln. Doch als die Gestalt zu sprechen begann klang ihre Stimme warm und wohlig, ruhig und klar. Jedes Wort glich einem melodischen Singsang, den liebevolle Eltern ihren besorgten Kindern schenkten. Besänftigend und fürsorglich aber doch auch weise und führend.

"Ihr seid zu uns gekommen, weil ihr Fragen habt."

Auch, wenn der Ursprung der Worte eindeutig der weiße Rabe zu sein schien, so klangen sie doch aus dem gesamten Wald wieder an ihre Ohren, wie ein Wispern aus unzähligen Schnäbeln gleich einem Rascheln der Blätter im Wind.

"Fragt. Ich werde alle eure Fragen beantworten so gut ich es vermag."
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Yaize
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize »

Auch wenn Yaize versuchte sich auf das Trost spenden in Nyphteqs Gegenwart zu konzentrieren und auf die Signale der Großkatze lauschte und wartete, so war es dennoch unmöglich nichts von dem mitzubekommen, was um sie herum geschah. Erst recht nicht dann, als die Lichtung sich in ein gleißendes Licht hüllte. Die Füchsin wollte hinsehen was dort auf dem Plateau geschah, doch das Strahlen war einfach zu hell und sie konnte nicht anders als die Augen zusammen zu kneifen. Es dauerte einen Moment in dem sie sich dann langsam blinzelnd wieder wagte hin zu blicken, ehe sie erkannte was passiert war. Die Wirrex waren verschwunden. Alle. An ihrer Stelle war ein eindrucksvoller, wunderschön anzusehender weißer Rabe vor ihnen erschienen und betrachtete sie alle aus goldenen Augen. Sie hatten es also geschafft. Eine Welle der Erleichterung durchflutete den Körper der Füchsin, war sie sich doch nie ganz sicher gewesen, dass ihre Mission überhaupt zu bewerkstelligen war.

Unglaublich… wäre ich alleine hier und würde das später jemanden erzählen, das würde mir doch niemand auf der Welt glauben… ich hätte so etwas ja selbst kaum geglaubt...

Mit vor Aufregung heftig schlagendem Herzen erhob sie sich langsam und in einer fließenden Bewegung. Dabei stupste sie die Puma an ihrer Seite noch einmal sanft mit der Nase an die Brust und sah zu ihrer Freundin hinauf, sanft lächelnd.

"Wir haben es geschafft… dank deiner Hilfe. Es war also nicht umsonst."

Stellte sie dankbar und tröstend zugleich fest. Eines ihrer gespitzten, schwarzen Ohren zuckte und die weißen Eckzähne der Füchsin schoben sich vom Lächeln freigelegt unter den Lefzen hervor. Ihre Worte waren ein leises Flüstern in Richtung ihrer guten Freundin.

"Wenn du noch Zeit brauchst, nimm sie dir. Und wenn du reden möchtest, dann kannst du dich immer an mich wenden."

Yaize wartete noch kurz, dann schob sie sich langsam an der Flanke der beigen Katze vorbei und tappte mit leicht schwingender Rute und gehobener Nase zurück zu den anderen. An der Seite von Kailan und Nyala wandte sich Yaize um, den Blick fest auf dieses einzigartige Geschöpf gerichtet, wegen dem sie alle Strapazen auf sich genommen hatten. Ihre Augen funkelten vor Faszination und Begeisterung, dass sie es tatsächlich geschafft hatten und dass dieses sagenumwobene Wesen tatsächlich existierte. Das war ein Beweis, nicht nur dafür, dass in manchen Legenden die sie von Kindesbeinen an gehört hatte vielleicht doch mehr Wahrheit lag, als zu vermuten war, aber auch dafür, dass die Welt größer und magischer war, als sie sich bisher hatte vorstellen können. Wenn es den weißen Raben gab, war dann die Existenz von Drachen, Geistern und noch ganz anderen Geschöpfen nicht genau so möglich wie alles andere? Yai musste an Nunki denken. Die Füchsin wäre sicherlich begeistert gewesen, hätte sie dieses Abenteuer an ihrer Seite noch miterlebt.

Ihr Hals fühlte sich etwas rau und trocken an, als sie leise an niemanden speziellen gerichtet, sondern eher zu sich selbst und an alle um sich herum gewandt sagte:

"Mir fallen auf Anhieb dutzende… nein hunderte… oder vielleicht sogar tausende Fragen ein, die ich dem weißen Raben gerne stellen würde. Wahrscheinlich könnte ich hier die Ewigkeit verbringen, nur um alles zu erfahren, was sich je eine Füchsin vorstellen konnte wissen zu wollen."

Sie neigte leicht den Kopf. Die Verlockung war enorm groß und noch immer schlug das kleine Herz in ihrer Brust heftig vor Begeisterung und Aufregung. Doch dann sah sie erst zu Nyala, anschließend zu Kailan auf, denn sie hatte zugleich nie vergessen, warum sie diesen Wald überhaupt betreten hatten. Der Widerstand zählte auf sie.

"Aber so viel Zeit haben wir wahrscheinlich nicht, hm?"


[ zunächst noch bei Nyph, dann bei Nya und Kailan | spricht laut ihre Gedanken aus ]
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Nyphteq
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq »

Auch wenn ihr Blick weiter auf den Baumwipfeln lag, lauschte Nyphteq den Worten der anderen und bekam auf diese Weise ausreichend von dem mit, was hinter ihrem Rücken vor sich ging. Raaka begann zu sprechen und versetzte ihr mit einigen seiner Worten einen größeren Stich, als ihm wohl bewusst und ihr lieb gewesen wäre. Sie hörte Rhorax’ Schimpftirade wie auch seinen Fehltritt und nicht zuletzt die vermeintlich eigennützigen Motive der Artgenossin.

Nichts davon hätte der Katze einen Blick über die Schulter entlockt. Das aufkommende Funkelspiel über ihrem Kopf jedoch fing ihren Blick, wenn zunächst auch mehr gedankenversunken denn beeindruckt. Erst als das Licht so intensiv wurde, dass die Berglöwin die Augen zusammenkneifen musste, dachte sie daran, dass hier irgendetwas vor sich ging, dass der Beobachtung würdig war. Kaum jedoch hatten sich die empfindlichen Augen an das gleißende Licht gewöhnt, erlosch dieses schon wieder und ließ sie einige Herzschläge lang in einer ungewöhnlichen Dunkelheit zurück, bis die Pupillen sich an die neuen Verhältnisse angepasst hatten. Der Drang, sich umzusehen, war nun stärker, doch zur mehr als einer leichten Drehung des Kopfes konnte sich die Katze erst aufraffen, als sie eine unbekannte Stimme im Rücken vernahm.

Der weiße Rabe! Wer hätte gedacht, dass dieses Viech wirklich existierte? Tatsächlich musste Nyphteq ein, zweimal blinzeln, ehe sie akzeptieren konnte, dass ihre Augen sie nicht trogen. Trotzdem – sie hatte an diesem Tag schon so viel gesehen und ihre Nerven lagen dermaßen blank, dass der Anblick des unwirklich erscheinenden Geschöpfes sie längst nicht mehr aus der Reserve locken konnte. Als sie eine sanfte Berührung an der Brust spürte, wandte sie den Blick nach vorne und lauschte den Worten der Rotfüchsin. Sie hatten es also tatsächlich geschafft. Oder anders ausgedrückt, sie hatten sich ausreichend bloßgestellt, um das Erscheinen des Raben heraufzubeschwören. Ob es das wirklich wert gewesen war, blieb abzuwarten.

Mit etwas Fantasie konnte man ein seichtes Nicken erahnen, das Nyphteq Yaize noch schenkte, ehe sich die Rote erhob. Die Raubkatze blickte ihr kurz nach, bevor ihre Augen erneut zu dem weißen Raben wanderten. Tatsächlich hätte sie wohl ein paar Fragen gehabt. Allen voran, ob diese Tortur wirklich notwendig gewesen war. Doch da waren auch Fragen, die tief in ihrem Unterbewusstsein aufgekeimt waren und die sie sich noch nicht einmal in Gedanken auszusprechen traute. Wenn diese Wirrex die Geister von Verstorbenen waren, verloren an diesem götterverlassenen Ort, waren dann vielleicht auch ihre Jungen…? Die Raubkatze war sich nicht sicher, ob sie die Antwort auf diese Frage wirklich wissen wollte. So oder so fühlte sie sich nicht in der Lage, zu sprechen. Der Kloß, der sich hartnäckig in ihrem Hals festhielt, schnürte ihr die Kehle zu und würde kaum mehr als ein klägliches Krächzen herauslassen. Sie konzentrierte sich lieber darauf, zuzuhören und durchzuhalten, bis sie endlich, endlich diesen verdammten Ort verlassen konnten und sie die Chance hatte, sich in einem tiefen Loch zu vergraben.

[ am Rande der Gruppe | lauscht | blickt sich erst beim Erscheinen des weißen Raben um ]
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Nyala
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala »

Gemeinsam mit Raaka auf ihren Schultern war sie zu den drei neusten Mitgliedern der Gruppe getreten und hatte ihnen die Wahl gelassen, sich ebenfalls auszusprechen. Doch es schien als wollte niemand von ihnen. Der Blick des alten Wolfrüden lag sehr lange auf ihr und Nyala konnte das Zögern spüren, doch seine Worte waren andere. Er wollte nichts über sich erzählen oder vielleicht doch, aber nicht hier und jetzt. Die Helle schnippte lediglich mit den Ohren und nickte. Sie hatte ihnen zugesichert, dass sie niemanden dazu zwingen würde. Auch der Bär sah sie direkt an und sie erwiderte den starren Blick, der deutlich machte, dass er nichts zu sagen hatte. Gleichzeitig wurde sie das Gefühl nicht los, dass sowohl Rhorax als auch Vishuni eine eher zornige Stimmung erfasste. Zorn, der sich auch in ihrem Inneren regte, weil die Wirrex sie alle bloßstellten und sich am Leid aller ergötzten. Doch aus einem unerfindlichen Grund stand die weiße Wölfin über diesem Gefühl und konnte es beiseite schieben. Womöglich lag es auch einfach nur daran, dass sie das Gesagte nicht mehr zurücknehmen konnten und es hier und jetzt nicht mehr zu ändern war, dass sie und ihre Freunde sich offenbart hatten.

Da von den Dreien keiner etwas sagen wollte, schien Raaka die Gunst der Stunde nutzen zu wollen. Nyala spürte wie er sich auf ihren Schultern bewegte und aus den Augenwinkel konnte sie seinen fragenden Blick erkennen. Wieder nur ein leichtes Nicken, dann drehte sie sich herum zum Plateau und beobachtete den Schwarzen dabei, wie er hinüberlief davor anhielt und sich herumdrehte. Sie setzte sich, sah einen kurzen Moment hinüber zu Nyphteq und Yaize, die noch immer an Ort und Stelle waren.
Anschließend galt ihre ganze Aufmerksamkeit Raaka, der sich räusperte und schließlich begann zu sprechen. Die Worte, die den Schnabel des Dunklen verließen, klangen nicht nur aufrichtig, sie waren es auch und sie taten gut. Nya schnippte mit dem rechten Ohr, weil es irgendwie angefangen hatte darin zu kribbeln. So wie der Raberisch über Yaize und sie sprach, hatte sie selbst noch nie über sich gedacht. Nyala nahm sich vor sich die Worte zu merken und sich nicht mehr ganz so ausgegrenzt zu fühlen und nur noch ihre eigenen Erwartungen zu erfüllen. Sie konnte das normalerweise sehr gut, nicht auf andere hören und doch war es ihr immer wichtig, was andere über sie dachten. Vielleicht sollte sie lernen, dass es ganz egal war, wie andere sie sahen. Solange sie sich selbst noch in der spiegelnden Oberfläche eines Sees ansehen konnte, war doch alles in Ordnung.

Auch für Nyph und Kailan fand Raaka die richtigen Worte, die Nya selbst nicht hatte. Sie empfand Mitleid und wünschte selbst ihrem schlimmsten Feind nicht solche Tragödien, doch war sie nicht die einfühlsamste und umso erfreuter darüber, dass es die kleine Füchsin und Raaka gab, die diese Aufgabe übernahmen.
Bei seinen abschließenden Sätzen sah sich Nyala um, ließ den Blick über ihre Mitstreiter streifen und konnte mit Fug und Recht behaupten, dass viele von ihnen ihr bessere Rudelmitglieder waren als jene Wölfe in ihren vorherigen Rudeln. Sie alle hatten ihre ganz unterschiedlichen Charaktere, jeder sein eigenes Päckchen zu tragen und obwohl sie so ein buntzusammen gewürfelte Haufen waren, konnte sie aufeinander zählen.
Raaka kehrte zurück an ihre Seite und im gleichen Augenblick trat Rhorax an ihm vorbei nach vorn, so dass Nyala nur einen kurzen dankbaren Satz an ihren ältesten Freund richten konnte.

“Gut gesprochen, ich hätte es nicht besser machen können“,

meinte sie und stupste ihn sachte mit der Nase an, doch dann sträubte sich ihr Nackenfell erneut als der große Bär grollend die Stimme erhob und den Wirrex seine Meinung geigte.
Die Wut und der Zorn in seinen Worten war nicht zu überhören, es ging ihm gewaltig gegen den Strich was diese Geisterwesen hier taten. Der Blick der hellen Wölfin richtete sich auf die seltsam glimmenden Wesen als erwarte sie jeden Moment einen wütenden Mobb, der sich auf den Braunpelz stürzte, doch es geschah nichts weiter. Sie nahmen die zornigen Worte genauso hin, wie die traurigen von Kailan und Nyphteq.

Inzwischen war Nya wieder aufgestanden und trat bereits einen Schritt vor, weil sie Rhorax warnen wollte, ihre Mission nicht durch unbedachtes Gerede in Gefahr zu bringen. Außerdem hatte sie ihm nicht am Wasser in der Nacht gesagt, dass sie aufpassen würde, damit er nicht wieder einen Fehler beging? Die Frage war wohl eher, ob es sich hierbei um einen Fehler handelte.
Nyala blieb stehen, denn letztlich tat er genau das, worum der Geisterhirsch sie gebeten hatte. Auch Rhorax kehrte sein Geheimnis hervor, wenn auch auf eine andere Art und Weise als der Rest von ihnen. Für die Wölfin kam das Geständnis natürlich nicht unvermittelt, dafür legte sie kurz den Kopf schief, weil er behauptete mit sich im Reinen zu sein. Ihrem Gefühl nach, stimmte das nur bedingt.

Als er nach seinem Fluch zurückkehrte, sah Nya ihn mit einer Mischung aus Verständnis und ‚musste-das-jetzt-sein‘ an.

“Ich hoffe für dich, dass der Blitz erst einschlägt, wenn wir nicht mehr in diesem verdammten Wald sind“,

kommentierte sie leicht bissig und richtete schließlich ihre Augen auf Vishuni, die sich durch Rhorax ermutigt fühlte nun auch noch etwas zu sagen. Eines musste man der Katze lassen, sie war ehrlich. Sie schönte nichts von ihren Beweggründen und machte keinen Hehl daraus, dass sie nur deswegen mit dem Widerstand kämpfte, um ihr altes Einzelgängerleben zurück zubekommen. So egoistisch es auch war, so verständlich war es. Waren sie am Ende nicht alle irgendwo Egoisten, die nur ihr altes Leben, ihre Heimat oder ihre Ruhe haben wollten?!
Nya jedenfalls konnte die neue Pumadame dadurch besser einschätzen und gleichzeitig erhielt sie ein paar Pluspunkte für ihre Ehrlichkeit. Das war etwas, dass der Hellen gefiel und sie glaubte Vishuni aufs Wort, dass sie in ihr eine gute Kämpferin haben würden, wenn sie über den Rest hinweg sehen konnten. Nyala jedenfalls konnte das. Ihr war diese Direktheit lieber als jede Schwafelei und von ihr aus konnte die Raubkatze sonst so unnahbar und bissig bleiben wie sie augenscheinlich war, wenn sie nur ihren Beitrag leistete die Ska zu besiegen. Den ersten Schritt hatte sie soeben getan, ob nun bewusst oder eher unbewusst, gesprochen hatte sie und dabei auch etwas von sich Preis gegeben.
Wieder folgte der Blick der braunen Augen der neuen Gefährtin als sie sich zurück auf ihren Platz begab und den eigenen Blick stur auf ihre Pfoten richtete, nachdem sie eben noch beinah herausfordernd ihre letzten Worte an die Gruppe gerichtet hatte. Kurz tauschte Nya einen Blick mit Raaka aus, dann folgte sie Vishuni und sah sie skeptisch an als sie vor ihr stehen blieb.

“Für jemanden der solche Töne spuckt, siehst du gerade ziemlich kleinlaut aus. Kopf hoch, sonst glaube ich noch du hast so eben Humbug erzählt als du von scharfen Krallen und tödlichen Zähnen gesprochen hast. Ich für meinen Teil hätte nämlich dich und deinen grenzenlosen Mut sehr gerne an meiner Seite, ganz gleich wie es nach dieser Mission hier weitergeht“,

sprach sie zu Vish und drehte sich dann zu den anderen,

“das gilt im Übrigen für euch alle, ganz gleich wie mutig ihr auch seid. Ich möchte mit euch gemeinsam gegen den echten Feind kämpfen.“

Mit den letzten Worten sah sie noch einmal zu den Wirrex, die sie selbst nicht als Feind sah. Für sie passte das helle Glimmen auch nicht zu einem Gegner, immerhin leuchtete inzwischen beinah die ganze Lichtung. Und dann begannen sie sich zu bewegen, strömten von den Ästen hinunter zum Felsen und schienen sich dort zu sammeln. Ob sie erneut den Geisterhirsch formten, um mit ihnen zu sprechen? Noch ehe sich Nya weiter Gedanken darüber machen konnte, blendete das Licht so stark, dass sie die Augen zukniff und den Kopf abwandte. Erst als das Leuchte fort war und die Lichtung und den Wald in einer tristen Ruhe zurückließ, sah die Wölfin wieder auf und hinüber auf das Plateau, auf dem tatsächlich der weiße Rabe erschienen war. Nyala blinzelte ein paar Mal und strich sich sogar mit der Pfote über die Augen, doch das helle Gefieder und die goldenen Augen verschwanden nicht. Sie hatten ihn tatsächlich gefunden, sie standen vor dem weißen Raben und ihre Mission war nicht fehlgeschlagen. Zumindest noch nicht. Jetzt mussten sie nur noch die richtigen Fragen stellen und vor allem die richtigen Antworten bekommen!

“Das wundert mich nicht Rotfell“,

sagte Nya mit einem Schmunzeln als Yai meinte, sie hätte hunderte Fragen, die sie stellen könnte,

“ich fürchte nicht Yai.“

Ein Kopfschütteln untermalte ihre letzten Worte, ehe sie kurz zu Kailan blickte und dann einen Schritt vortrat. Sie musterte den hellen Raben, der das genaue Gegenteil von Raaka war und atmete einmal tief durch.

“Wir sind hier, weil wir einen Weg finden wollen, um unsere Feinde die Ska aufzuhalten und zu besiegen. Sag weißer Rabe, was können wir tun, um uns gegen sie zu behaupten, wenn selbst die schärfsten Krallen, die spitzesten Zähne und der schlaueste Verstand doch nicht viel bewirken.“
[ Hört den anderen zu / spricht kurz zu Raaka, später kurz zu Rhorax, dann zu Vishuni und zum Rest / antwortet Yai und tritt dann vor den weißen Raben, um eine Frage zu stellen ]
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