Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Farlan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Farlan » 6. Oktober 2019, 18:43

Es war dem Rüden, als zöge ein dichter Wind durch das Fell, ließ ihn kurz erbeben – und für einen Moment in die Welpenzeit zurückfallen. Jene Zeit, in der sich alles auf einen stürzte und man von Glück sagen konnte, wenn keine Bösen Absichten dahintersteckten.

Zumindest den soeben erdachten Fluchtgedanken brachte er schnell in die heimische Basura, wie es schien. Nein, hier würde er im Dreiteufelsnamen nicht wegkommen – und irgendwie, so ein ganz kleines bisschen, wollte er das ja auch gar nicht. Da waren derart viele verschiedene Wesen auf einem Haufen – das hätte sich der beste Geschichtenerzähler kaum ausdenken können! Aber freundlich gesinnt? Nunja…

Kurz sah er vor sich, als ein Flattermann genau bezeichnete, was er darstellte. Aber es schien sich um ein anderes Exemplar zu handeln, wie schon der bloße Blick auf’s Vögelsche Gefieder offenbarte. Farlan rümpfte die angegraute Nase. Mochte es hier wirklich derlei Federvieh geben, dass man sich getrost den Pelz mit dessen Federn hätte schmücken können? Wurde man nicht sogar zum Flattermann, wenn man zu oft mit jenen verkehrte?

„Du…!

echote der Rüde, als sich ein zweiter Riesenpiepmatz äußerte….DER? Och nö! Hier war man aber wirklich nirgends sicher. Und um die Ansammlung an seltsamen Wesen zu erweitern – ohne sie schon zu komplettieren – rührte sich nun auch die Puma, die der Rüde kennen-, aber nicht liebengelernt hatte. Die Tatsache, dass sie ihn als durchaus harmlos bezeichnete, ließ ihn neuerlich die Nase rümpfen und, zumindest innerlich, aufbegehren. Nach draußen drang aber keiner der so erdachten Flüche, die der Rüde sich da zusammengereimt hatte. Es schien fast, als halte ihn eine unsichtbare Macht vom Fluchen ab.

Und nein, das riesige Ding, das sich da gerade lautstark äußerte, war sicher keine unsichtbare Macht….gut, zumindest die Macht wollte Farlan ihm nicht abstreiten. Aber ihn als irgendein Ding des Waldes zu bezeichnen…pah!

„Pass mal auf, Riesenmöff, ich bin-“

wollte er gerade tiradieren, als das zweite „Riesenmöff“ ihn dezent darum bat, nach vorn zu kommen. Vorn? Wo Farlan war, war immer vorn! Jedenfalls in den Träumen des Rüden, die es durchaus gab. Da hatte er allerdings kein schütteres Fell, weniger Grau und wirkte Quietschfidel. Nur das Aufwachen war dann jedesmal der Gamechanger…

„Ganz Unrecht hast du sicherlich nicht…Farlan klingt auch viel besser als Wolf.“

meinte der Rüde, als er auf die Bärin zustakste und darin bemüht war, das Umfeld ziemlich links oder rechts liegenzulassen. Was die Große wohl mit ihm vorhatte? Das würde die Zeit sicher zeigen – spätestens jetzt aber mochte auch dem letzten das leichte, wirklich marginal wirkende Hinken des Rüden auffallen, der das bis dahin recht gut kaschiert hatte, indem er einfach nur herumstand.

[ wird entdeckt, tut etwas Unmut kund und staunt – bis Kailan ihn aufsammelt ]

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Kailan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Kailan » 29. Oktober 2019, 23:16

Kailan grummelte. Dass Raaka unangekündigt auf ihrem Rücken landete fand sie nicht unbedingt berauschend. Sie war zwar sehr genügsam und ließ ihre Freunde und Gefährten meistens gewähren und ihnen einiges durchgehen, aber sie als Landeplatz zu missbrauchen fand sie ein wenig zu viel des Guten. Zumindest wenn dies unangekündigt stattfand. Ein etwas lauteres Grummeln folgte dem anderen, beide dienten nur als kurze Warnung, sie wartete dennoch ab, was Raaka von ihr wollte und vertrieb ihn nicht sofort. Die Bärin seufzte, dieser Wald führte wirklich zu immens viel Aberglaube bei ihren Gefährten und vor alle Dingen Raaka schien davon besonders betroffen zu sein. Sie war zwar auch dem Wolf von Anfang an misstrauisch gegenüber gewesen, aber zu glauben das der Wald ihn geschickt hatte, dass fand Kailan gelinde ausgedrückt nun vollkommen bescheuert. Der Rabe hatte doch wirklich nicht mehr alle Federn im Gefieder oder alle Äste im Nest… Die Bärin dachte über eine möglichst diplomatische Antwort nach, welche den Vogel nicht kränken würde, gut sie musste zugeben der Wald war komisch und sie war auch Farlan misstrauisch gegenüber, aber dieser Wolf war bestimmt ein Wolf und ausfragen hatte sie ihn so oder so wollen. Gut das Raaka nicht Gedanken lesen konnte, sie mochte ihn zwar und sie liebte auch Legenden und glaubte einige von ihnen, aber… Die Bärin stoppte innerlich ihre Gedanken, sie versuchte gerade ernsthaft ihre unfreundlichen Gedanken vor sich selbst zu Rechtfertigen und sich innerlich positiv zuzureden, sie musste nun wirklich nicht alles gut finden beschloss sie schließlich selbst und antwortete dem Raben schließlich bevor der Wolf zu ihnen aufschloss:

„Keine Sorge, ich wollte ihm eh ein wenig auf den Zahn fühlen…“

und auch wenn es der Bärin nicht gefiel unangekündigt ein Transportmittel zu werden war dieser Fisch nun gekaut und deswegen bot sie Raaka an:

„Du kannst ruhig auf meinem Rücken sitzen bleiben, während ich mit ihm rede…“

Das Ich betonte sie absichtlich etwas stärker und meinte dann noch mit freundlichem Nachdruck in ihrer Stimme:

„Wenn du das nächste Mal auf mir landen möchtest, dann würde ich es für deine eigenen Sicherheit vorher ankündigen, wenn ich du wäre…“

Schließlich hätte sie sich auch erschrecken können und wer wusste schon, was dann vielleicht passiert wäre. Sie wollte Raaka ungerne verletzten. Mochte sie ihn doch trotz seines übertriebenen Aberglaubens gerne leiden.

Farlan hatte zu ihr aufgeschlossen und blieb nun an ihrer Seite, die Bärin hatte absichtlich kaum merklich ihr Tempo verlangsamt, da ihr das Hinken des anderen sofort aufgefallen war, sie erwiderte auf seine Worte freundlich:

„Ich bin Kailan und auf meinem Rücken sitzt Raaka. Wanderst du schon länger durch diesen Wald und sah er für dich immer gleich aus oder hattest du eher das Gefühl er verändert sich?“

Diese Frage brannte ihr wirklich auf der Zunge und sie würde abwarten was er darauf antworten würde, auch für Raaka war es vermutlich besser, dass sie langsamer ging.

[ grummelt als Raaka unangekündigt auf ihr landet | findet seinen Aberglauben übertrieben| passt ihr Tempo an Farlan an | fragt ihn etwas ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung » 4. November 2019, 21:03

UPDATE:
Entscheidungen

Es dauerte noch einen Augenblick, dann hatten sie die Quelle des Rauschens und des Dufts nach Frischwasser ausgemacht. Der Wald öffnete sich zu beiden Seiten des Pfads und gab vor ihnen eine breite Schlucht preis. Ein tosender Fluss hatte sich tief in den Boden hinein gefressen, schwappte, spritzte und strudelte in scharfem Tempo um große und kleine Vorsprünge herum. Ein Blick hinab offenbarte, dass man gut und gerne eine fünfhundertjährige Fichte aufrecht hinein pflanzen könnte, ohne dass ihre Spitze aus der Schlucht herausragte. Gischt sprühte bis zu ihnen hinauf und befeuchtete alles umliegende, so dass viele der Steine am Rand der Schlucht von dichtem Kraut durchwachsen waren. Zu ihrer linken verschwanden Schlucht und Fluss hinter einer Biegung, zu ihrer Rechten fanden sie wiederum den Grund für die Heftigkeit, mit der die Stromschnellen unten entlang flossen: Einen Wasserfall. Von einem höher gelegenen Plateau stürzte das Wasser beinahe senkrecht in die Tiefe und klatschte in ein kleines, dunkles Becken.

Ihr Pfad endete dabei nicht einfach am Rand der Schlucht, er gabelte sich stattdessen erneut. Ein Teil des Pfades führte am rechten Rand der Schlucht entlang bis zum Wasserfall. Über einige kleine Vorsprünge und mehr oder weniger breite Kanten war es anscheinend möglich, ihm etwas tiefer gelegen hinter den Wasserfall zu folgen, wobei er auf der anderen Seite des Flusses nicht wieder auftauchte. Er verschwand einfach hinter dem nassen, schäumenden Vorhang. Der andere Teil des Pfades führte ein Stück weit den Fluss hinab zu einer umgestürzten Kiefer, deren morscher, moosbewachsener Stamm als Querung über den Fluss diente. Auf dieser Flussseite ragten die trockenen, gerissenen Wurzeln Klauen gleich in die Höhe. Auf der anderen Flussseite schloss an die Baumkrone das andere Ende des Pfades an und verschwand nach kurzem wieder im Wald.

Wer sich etwas mit der Geografie von Kihromah auskannte mochte vielleicht bemerken, dass es weder einen Fluss gab, der aus dem Geisterwald hinein oder hinaus floss, noch weit sichtbare Erhebungen wie beispielsweise dieses Plateau.

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala » 9. November 2019, 20:21

Während sich Kailan um den Irrwischt kümmerte und dabei moralische Unterstützung von Raaka bekam, lief Nyala ziemlich am Ende der Truppe und behielt die Gruppe im Auge, während das Geräusch von fließendem Wasser immer lauter wurde. Es klang bald nicht mehr nur nach einem kleinen Bach oder Flüsschen, nein es erinnerte sie an die Sturzbäche, die im Frühjahr nach der Schneeschmelze vom Splitterberge ins Tal flossen. Ihre Ohren trogen sie nicht, bei ihren Augen war sie sich inzwischen nicht mehr sicher. So oft schon hatte dieser Wald ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, hatte sich verändert als wäre er selbst ein lebendes Wesen und auch jetzt hatte das Bild, welches sich vor ihnen zeigte, mehr mit einem Traum gemeinsam als mit der Wirklichkeit. Wie konnten eine so tiefe Schlucht und so ein reißender Fluss niemanden bekannt sein? Und wo zum Teufel entsprang dieses Gewässer überhaupt?

Die weiße Wölfin schob sich ein ums andere Mal an den anderen vorbei und ließ die braunen Seelentore über das trügerische Bild wandern. Sie hatte nicht wenig Lust dem Schabernack des Waldes einfach zu trotzen und geradewegs weiter zu laufen, um dann festzustellen, dass die Schlucht und der Fluss nur Einbildung waren. Das Problem dabei war, dass es sich alles einfach viel zu real anfühlte. Das aufspritzende Wasser ebenso wie der Geruch.
Nyalas Blick folgte dem Flusslauf bis zum Wasserfall, der von einem Plateau hinabstürzte. Einem Plateau, dass hoch genug war die umliegenden Bäume zu überragen und doch hatte niemand es von außerhalb des Waldes je gesehen. Ein Trugbild! Ein verdammtes Trugbild!
Ein frustriertes Knurren rollte aus Nyalas Kehle, dann sah sie zum Baumstamm, der fast schon penetrant dazu einlud, den Fluss über ihn hinweg zu überqueren und dem Weg auf der anderen Seite zu folgen. Die zweite Möglichkeit schien sehr viel geheimnisvoller zu sein und hinter dem Wasserfall – der da gar nicht sein sollte – zu verschwinden.

„Hey Graupelz, warst du schon einmal an diesem Fluss?“,

fragte sie den fremden, alten Wolf an Kailans Seite, der sich bei all dem Chaos an keine einzige Regel gehalten hatte und doch wieder auf den Pfad gelandet war.

„Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich habe immer noch das Gefühl als würde dieser Wald ein Spiel mit uns spielen“,

sprach sie zur Gruppe und sah dann erneut zwischen umgestürzter Kiefer und Wasserfall hin und her.

„Rhorax kannst du dir gemeinsam mit Kailan, Raaka und unserem neuen Begleiter den Baum etwas genauer anschauen. Ich bin mir nicht sicher ob er wirklich hält, sollte ihn einer von uns betreten. Der Rest kommt mit mir, wir werden uns diesen Wasserfall mal etwas genauer anschauen!“

Sie hatte die Nase gestrichen voll immer und immer wieder Entscheidungen zu treffen, und auch wenn sie sich nicht trennen sollten, war es an der Zeit sich zumindest hier kurzzeitig aufzuteilen. Sie konnten einander schließlich immer noch sehen, solange Nya mit Nyph, Yai und Lucien nicht hinter dem Wasserfall verschwand. Die Zeit war nämlich nicht gerade ihr Verbündeter und sollten die Gerüchte stimmen, kämen sie mit Einbruch der Nacht nie wieder aus diesem Walde heraus.

[ läuft vor und sieht sich um / frustriert / sprich zu Farlan / spricht zu allen und teilt die Gruppe auf ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Rhorax » 13. November 2019, 18:08

Rhorax passte sein Schritttempo dem der Gruppe an und hielt weiter die Nase in die Luft und die Augen wachsam auf die Umgebung gerichtet. Seit der Wald sie zum ersten Mal getäuscht hatte - oder zumindest versucht hatte, sie zu täuschen - befand er sich im erhöhten Alarmzustand und war sich gleichzeitig ziemlich sicher, diesen Modus so schnell auch nicht wieder zu verlassen. Überraschenderweise entstand dabei keine innere Unruhe, viel mehr schärften sich Aufmerksamkeit und Sinne des Bären, als wittere er einen aufziehenden Sturm. Jeder Schritt war gezielt gesetzt und die Muskeln unter seinem Fell in konstanter, leichter Anspannung, jederzeit bereit auf etwas zu reagieren, von dem er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal sagen konnte woher es kam, was es war und wie es zu reagieren galt.

Als der Weg sich vor ihnen öffnete und den Blick auf etwas freigab, dass er nun wahrlich nicht erwartet hatte, tat er einen Schritt zur Seite, blieb recht abrupt stehen und ließ die Augen über diesen skurrilen Anblick schweifen. Dieser Ort an sich wirkte wie viele Ecken von Kihromah stimmig, logisch und wenn auch außergewöhnlich, dann auf keinen Fall einmalig. Sicherlich gab es ähnliche Wasserstürze und Schluchten und Flüsse auch noch anderswo. Doch hier, in diesem Wald, wirkte alles irgendwie deplatziert und unecht, so als hätte es jemand speziell für sie hier hinterlassen. Ein leises Brummen verließ die Kehle des Bären, unschlüssig, was er davon halten sollte.

Auf die Anweisung von Nyala hin trat der Rhorax näher und nickte knapp. Dann schritt er an der Wölfin vorbei an die Kante der Schlucht, die sich vor ihnen auftat und wagte einen kühnen Blick in die Tiefe. Zwar hatte er kein Problem mit Höhen, aber dennoch hegte er kein großes Verlangen danach, hier hinab zu stürzen und dort unten vom Wasser von einer Felswand gegen die nächste geworfen zu werden. Dann sah er zu der gegenüberliegenden Seite. Für die Gefiederten unter ihnen war diese Distanz geradezu lächerlich. Was alle anderen betraf, da war sich Rhorax sicher, würden selbst die besten Springer unter ihnen nicht so ohne Weiteres gesund und munter die andere Seite der Schlucht erreichen.

Nun eine halbe Wolfslänge Abstand zum Abgrund haltend lief er auf die umgestürzte Kiefer zu und besah sie sich. Der Zeitpunkt, zu dem dieser Baum entwurzelt wurde lag ganz offensichtlich schon einige Jahre zurück und sehr vertrauenerweckend wirkte der Zustand des Holzes nicht. Doch zunächst überprüfte er die Wurzeln und das diesseitige Ende. Zumindest hier schien der Stamm zum Teil noch gut an der Kante befestigt, ein Teil der Wurzeln war noch an Fels und Erdreich verankert. Um diesen ersten Eindruck zu bestätigen, stemmte der Bär erst eine, dann beide Vorderpranken seitlich an die dickste Stelle des Baumstamms und drückte leicht. Nichts geschah. Er kippte einige Male zurück und schlug leicht mit beiden Pranken gleichzeitig gegen das Holz. Dreck, trockene Holzspäne und kleinere Moosfetzen rieselten wie dunkler Schnee bis fast zur anderen Seite des Stammes hinab in die Schlucht und ein leises Knarzen war zu vernehmen. Dennoch blieb die Kiefer an Ort und Stelle, bewegte sich nicht mal ein winziges Stückchen.

Recht zufrieden tat er einen Schritt zurück, brummte leise, blickte zu den anderen und fasste dann seine soeben gewonnene Erkenntnis noch einmal kurz und nüchtern zusammen.

"Lässt sich zumindest nicht so leicht verrücken."

[ an der umgestürzten Kiefer | überprüft Nyalas Anweisung folgend als erstes den Halt der Wurzeln ]

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Vishuni
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Vishuni » 14. November 2019, 17:05

Es kam beileibe nicht selten vor, dass Vishuni durch irgendeine Bagatelle verstimmt war. Doch so übellaunig wie heute, hatte man sie vermutlich noch nie gesehen. Ihr gesamtes Fell war aufgestellt, der Atem kam stoßweise und zischend aus dem leicht geöffneten Maul, dem immer wieder ein leises, bedrohliches Grollen entwich. Selbst ihr Gang erinnerte mehr an ein trotziges Stapfen, mit jedem Schritt gruben sich die Krallen wie Dolche in den Boden und rissen ganze Erdhäufchen heraus, die im schwungvollen Flug ihre Hinterbeine trafen und schließlich vom wilden Schlagen ihres kräftigen Schwanzes hinweggefegt wurden und links und rechts ihres Trampelpfades zum Liegen kamen.

Hätte sie sich bloß von Anfang an aus allem rausgehalten. Wäre weiter Einzelgängerin geblieben, hätte die Rettung der Welt anderen überlassen und würde sich irgendwo weit weg von hier ein neues Leben aufbauen. Doch dafür musste sie zuerst aus diesem verfluchten Wald rausfinden!
Ihre Gedanken verloren sich immer wieder in den letzten Tagen, auch wenn sie angestrengt versuchte, kein Detail um sie herum zu verpassen. Wäre doch gelacht, wenn sie nicht irgendwann dahinterkommen würde, was mit diesem Ort los war!

Es hatte länger gedauert, als sie erwartet hatte, den blöden Rat zu finden, auch wenn Kailan ihr den Weg ausgiebig beschrieben hatte. Dort hatte man sie ganz schön lange warten lassen, beinahe so, als wolle man sie provozieren.
Erst auf deutliche Nachfrage und die Erwähnung, dass sie auf Kailans Empfehlung hergekommen war, erzählte man ihr, dass diese Widerstandsgruppe bereits einen Auftrag erhalten hatte und Vishuni momentan nicht gebraucht wurde. Trotzdem hatte Vishu sich bemüht, ihr Interesse zu bekunden und hatte so erfahren, worum es sich bei diesem Auftrag handelte.
Sie hatte sich sogleich auf den Weg gemacht, denn sie hatten ihr zumindest erlaubt, am Waldrand auf die anderen zu warten, doch Ungeduld und Unmut hatten sie natürlich binnen weniger Stunden hineingetrieben.

Und nun befand sie sich in diesem verfluchten blöden Wald und konnte nicht einmal mehr sagen, wie lange sie nun schon hier war. Sie stieß ein unwirsches Fauchen aus und blieb kurz stehen. War sie hier nicht schon gewesen? Mit einem kräftigen Satz stieß sie sich vom Boden ab und grub die Krallen in den massiven Stamm eines Baumes. Mit kraftvollen Bewegungen erklomm sie den Baum und ließ sich auf einem der kräftigeren unteren Äste nieder. Mit leicht geöffnetem Maul sah sie sich etwas schwer atmend um, doch das Laub war so dicht, dass sie kaum etwas erkennen konnte.

Mit einem Seufzen machte sie sich wieder an den Abstieg. Es war noch ein gutes Stück bis zum Boden, da fuhr auf einmal ein heftiger Wind durch ihr Fell gefolgt von einem lauten Brüllen, es war, als würde der gesamte Boden erbeben. Vishuni schrie überrascht auf und merkte erst, als der bebende Boden rasend schnell näherkam, dass sie den Halt am Stamm verloren hatte. Mit einem dumpfen Laut landete sie hart auf den Pfoten, die sofort bis zum Grund einsackten, auf dem die Berglöwin mit panisch geweiteten Augen und hilflos zurückgelegten Ohren reglos kauern blieb.

So schnell diese Naturgewalt gekommen war, so schnell war sie auch wieder verschwunden und Vishu pflückte langsam und immer noch mit wild pochendem Herzen die Krallen aus dem Boden. Schmerzerfüllt zuckte sie zusammen, als sie sich langsam aufrichtete und sah sich kurz gehetzt um. Doch alles sah aus wie immer, sie schien sich nicht in unmittelbarer Gefahr zu befinden. Sie schüttelte sich kurz und ignorierte das scharfe Brennen, welches ihr durch die Beine fuhr, bevor sie sich langsam wieder auf den Weg machte. Das Grollen hatte sie eingestellt und ihr Gang war vorsichtiger und etwas zaghafter geworden. Immer wieder blickte sie sich um, unter ihre Wut hatte sich nun eine gehörige Portion Unwohlsein gemischt.

Sie wusste nicht, wie lange sie weiter durch den Wald geirrt war, als sie plötzlich ein neues Geräusch vernahm, leise wie fernes Donnergrollen. Neugierig spitzte sie die Ohren und näherte sich dem neuen Eindruck, spürte irgendwann, dass die Luft ein wenig frischer wurde, sich neue Gerüche in die Umgebung mischten. Sie trat durch ein dichteres Geäst hindurch und erblickte vor sich eine riesige Schlucht. Staunend trat sie näher, bis kurz vor den Abhang und wagte einen Blick hinab in die Tiefe. Rasende Stromschnellen flogen tief unter ihr durch das Tal und Vishu folgte dem Wasser mit dem Blick stromaufwärts bis zu dem gigantischen Wasserfall. Mit weit geöffneten Augen nahm sie alles in sich auf, ließ den Blick durch die gesamte Schlucht tanzen, erklomm mit den Augen die steilen Felswände jenseits des Abgrundes – und stutzte plötzlich.
War das real? Ein umgestürzter Baum schien wie eine Brücke über die gesamte Schlucht zu ragen, beinahe einladend, herausfordernd. Und direkt neben dem Baum stand ein Bär und schien ihn gerade eingehend zu prüfen. Was war das wieder für ein Spiel, das dieser Ort mit ihr trieb?
Vishu stapfte näher, lief die Schlucht entlang auf den Baumstamm zu und konnte schon bald einen weiteren Bären, einen Vogel und einen Wolf ausmachen. Sie kniff die Augen zusammen und blieb einige Meter entfernt vom Baumstamm stehen. Ob die Kreaturen ihr antworten würden, wenn sie tatsächlich nur eine Art Täuschung waren?

Vishu stieß ein lautes Brüllen aus, um die Fremden auf sich aufmerksam zu machen.

Gespannt wartete sie ab, auf alles gefasst, womit dieser Wald sie noch ärgern wollte. Währenddessen ließ sie die Fremden nicht aus den Augen und beobachtete misstrauisch, was sie da taten.

[ Irrt durch den Wald | wird ebenfalls von dem lauten Beben überrascht | trifft auf die Schlucht, sieht den Baum und die anderen, die ihn gerade inspizieren | macht auf sich aufmerksam ]

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Nyphteq
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq » 20. November 2019, 14:13

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Dieses Sprichwort hatte sich für Nyphteq seit ihrer Zeit beim Widerstand bereits mehr als einmal bewahrheitet. Deshalb sollte sie an der Begegnung mit dem schwarzen Wolf, der sich in der Zwischenzeit als Farlan identifiziert hatte, eigentlich nichts mehr wundern. Erst recht nicht in diesem Wald. Der Graubart wirkte in dieser Szenerie nicht minder deplatziert wie eben alles andere, was ihnen bisher begegnet und widerfahren war und da er sich ohnehin in naher Begleitung von Kailan befand, sah die Berglöwin keinen Grund, der Aufforderung von Nya nicht nachzukommen und den Wald weiterhin im Auge zu behalten.

Das tat sie auch, als sie die Quelle des ewig währenden Rauschens letztendlich erreichten. Immer wieder strichen die goldgrünen Augen über den Pfad, über den sie soeben gekommen waren, ehe sie gezielt auf die Schlucht zusteuerte und einen Blick über die steilen Klippen warf. Kleine Kiesel und Staub rieselten an ihren Pfoten herab, als die Katze sich über den Abgrund beugte und den Kopf dabei so tief reckte, wie ihr Hals reichte. Der Geruch von Wasser, das an scharfen Vorsprüngen zu feinen Wolken zersplitterte, stob ihr in die Nase. Einen Weg hinunter, um an der anderen Seite wieder hinauf zu klettern, brauchte man gar nicht in Betracht ziehen. Stattdessen hob sich nun der Blick der Berglöwin, während sie erwog, ob sie den Satz über die Schlucht wohl schaffen würde. Noch ehe sie sich auf eine Antwort festlegen wollte, dämmerte es ihr, dass sie womöglich die einzige in ihrer Gruppe war, für die es dafür zumindest eine Chance gab. Letztlich wanderten ihre Augen also nach links und rechts, erblickten einerseits den umgestürzten Baum und besahen dann den Wasserfall, der ihr bei ihrer Ankunft mit als erstes aufgefallen war.

Ohne zu zögern hätte sie, wäre sie allein gewesen, den Baumstamm als sicheren Weg für ihre Überquerung ausgewählt. Nyala aber war da offenbar anderer Meinung und schickte sie stattdessen in Richtung des Wasserfalls, was von der Katze mit mäßiger Begeisterung aufgenommen wurde. Hingegen des weitläufigen Trugschlusses war ein Puma zwar nicht wasserscheu, aber wenn sie die Wahl hatte, so bevorzugte Nyphteq doch eindeutig einen trockenen Pelz. Auf der anderen Seite verstand sie aber auch den Sinn dahinter, wenn gerade ihre zwei Schwergewichte die Beschaffenheit des Baumstamms austesteten. Würde er sie tragen, dann auch den Rest ihrer Gruppe. Also zuckte sie nur schweigend mit den Schultern und begleitete Nyala, Yaize und Lucien zum tosenden Wassersturz.

Während das Rauschen mit jedem Schritt lauter in ihren Ohren dröhnte, dachte die Katze nicht daran, dass sie bereits eine Regel des Otters brachen, indem sie sich trennten. Stattdessen ging ihr Blick abwechselnd in Richtung des Waldes und der tosenden Schlucht zu ihren Pfoten, deren Wasseroberfläche zunehmend mit weißen Schaumwolken bedeckt war. Als sie den Fall schließlich erreichte, beäugte sie kritisch den Pfad, der sich über schmale Vorsprünge und Felsen hinter dem Wasservorhang verlor.

„Sieht eng aus“,

meinte sie nach kurzer Bestandsaufnahme knapp, indem sie sich zu ihren Begleitern umwandte. Nicht, dass sie das abschreckte, aber sie wollte sich nicht unbedingt vorstellen, wie ein Bär wie Rhorax an diesen Klippen entlang kraxelte.

„Könnte auch rutschig sein“,

fügte sie noch hinzu, während sie einige weitere Schritte auf die Steilwand zu machte. Sie war kurz davor, einfach mal ein paar Schritte auszuprobieren und einen Blick hinter den Wasserfall zu riskieren, denn nun, wo sie schon einmal da waren, war sie ja doch etwas neugierig darauf, was sich hinter der undurchsichtigen Wand verbergen mochte. Doch ehe sie die erste Pfote auf Gestein setzen konnte, drang durch das Donnern des Wassers ein sehr bekanntes Geräusch zu ihren Ohren. Es war wohl ihren Instinkten geschuldet, dass der Ruf eines anderen Pumas stets ihre volle Aufmerksamkeit auf sich zog und sie mit einem gewissen Misstrauen erfüllte. Schnell war die fremde Katze ausgemacht und zwar nirgendwo sonst, als an dem umgestützten Baum. Klar, ein Puma wusste eben, wie er seine Hindernisse überwand.

„Wir haben Besuch“,

kommentierte Nyphteq wohl überflüssiger Weise und in ihrer Stimme lag ein leichtes Grollen, das jedoch im Großteil im Rauschen des Wassers unterging. Ihr Blick musterte besagten Besuch aus der Ferne, den sie schnell als weibliche Artgenossin ausmachen, jedoch nicht weiter identifizieren konnte.

„Das ist nicht Sayblee, oder?“

Ihre Pfoten hatten bereits von selbst eine Kehrtwende vorgenommen und waren bereit, im schnellen Sprint zu ihren Gefährten zu eilen. Auch, wenn sie der Widerstand schon oft etwas Besseren belehrt hatte, so überwog doch die langjährige Erfahrung: Fremde Pumas konnten durchaus eine ernstzunehmende Unannehmlichkeit bedeuten.

[ letztendlich mit den anderen beim Wasserfall | betrachtet den Pfad | hört und sieht Vishuni | in Habachtstellung ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 20. November 2019, 17:31

Armer Raaka. Wollte er doch nur einen gut gemeinten Rat abgeben, so erntete er zunächst einmal einen ganzen Flügel voller Schellen. Kailans Grummeln spürte der schwarze Vogel deutlich in den Klauen und wenn er sich zunächst nicht sicher war, ob dies ein missgünstiger oder ein wohliger Ausdruck war, so räumten die nachfolgenden Worte doch jeden Zweifel aus dem Weg.

„Wird gemacht“,

plapperte der Raberich nur pflichtbewusst und ließ sich dabei von der Rüge, die er eben abbekommen hatte, nichts anmerken. Vielleicht sollte er sich demnächst doch wieder ein anderes Reittier aussuchen. Die Pumakatze zum Beispiel. Auf ihr war es lustig gewesen und sie hatte sich auch nicht beschwert. Für den Moment aber waren Kailans Schultern gerade recht und da er ja noch geduldet war, würde ihn auch nichts davon abbringen, der Unterhaltung mit dem Wolf namens Farlan zu lauschen. Als dann sein Name fiel, machte der Rabe sogar eine kleine Verbeugung, die darin endete, dass er einmal mehr die krausen Federn an seiner Kehle glatt strich.

Viel hatten sie noch nicht über den Neuankömmling erfahren können, denn alsbald machte der Trupp Halt und Raaka, dessen Aufmerksamkeit vornehmlich auf dem dunklen Wolf gelegen hatte, brauchte erst einen Moment um zu realisieren, dass so eine Schlucht für seine vierbeinigen und flügellosen Begleiter ja durchaus ein Hindernis darstellte. Seltsam war nur, dass ihm bei seinen Beobachtungen aus der Luft nie eine derartige Schlucht aufgefallen war. Oder dieses Plateau. Oder der Wasserfall. Aber was war in diesem Wald Bitteschön nicht seltsam? Vielleicht waren sie ja irgendwann unbemerkt durch ein Portal gegangen, dass sie an diesen neuen Ort gebracht hatte. Vielleicht war das ja etwas Gutes? Es erschien dem Raberich jedenfalls besser, als stundenlang durch einen immergleichen Wald zu irren.

Raaka, zugehörig zu Team Kailan, ließ sich auf ebenderen Rücken zu einer gestürzten Kiefer transportieren, die es zu untersuchen galt. Dort angekommen beobachtete er interessiert, was der Riese Rhorax unter „untersuchen“ verstand. Beinahe hatte man ja den Eindruck, er wolle den Baum zerlegen, was den Überweg dann doch etwas kompliziert gestaltet hätte. Sein Fazit aber fiel schon einmal positiv aus und kaum waren diese Worte ausgesprochen, hob sich Raaka von Kailans Schultern empor, flog zur Unterstützung zur Mitte des Stammes und ließ sich darauf nieder. Er begann, darauf herumzuwippen, tippelte dann einige Schritte zur Seite und wippte erneut, so als wolle er die Stabilität des Baumes auf die Probe stellen. Ein Schauspiel, das womöglich eher zur Belustigung seiner Gefährten führen mochte. Nicht einmal ein trockenes Ästchen ließ das Federgewicht erzittern, was Raaka aber nicht davon abhielt, den Baum für gut zu befinden. Ein Rabe hatte eben kein Gespür dafür, wieviel so ein Bär eigentlich wog.

„Hält auch Einiges aus, der Herr Baum“,

quäkte er noch und wäre dann doch um ein Haar vom Stamm gefallen, als ihn ein lautes Brüllen aufschrecken ließ. Gut nur, dass der Begriff „Fallen“ für einen Vogel keinerlei Bedeutung hatte. Seinen Schwingen sei Dank, fand Raaka seinen Halt binnen Sekunden wieder und starrte dann etwas entgeistert auf die Silberkatze, die plötzlich einfach da war.

„Entschuldigung?!“

In seiner Stimme war durchaus etwas Empörung zu hören, doch als Raaka erkannte, dass da nicht ihre, sondern eine fremde Samtpfote vor ihnen stand, überwog doch die Neugier. Noch ein Fremdling? Da stellte sich als erstes natürlich wieder die Frage: Freund oder Feind? Oder vielleicht eher: Real oder Trugbild?

[ Lauscht Kailan und Farlan | „hilft“ den Baum zu untersuchen | schreckt bei Vishunis Brüllen auf ]

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